Kommentar

Mutiger Schritt

Peter W. Ragge zum ersten Stadtkirchenfest des Dekanats

Das war heftig – aber richtig: Dass beim Stadtkirchenfest die ersten Blicke der Besucher zunächst auf ein Schuldbekenntnis, auf die Worte „Schande“ und „Scham“ fielen, überraschte auch manche Gläubigen. Aber angesichts der jüngst aufgedeckten schlimmen Geschehnisse wäre es völlig unverantwortlich gewesen, ein Heile-Welt-Stadtkirchenfest zu feiern. Viel zu lange ist das Thema Missbrauch unter den Teppich gekehrt worden. Mancher Bischof würde das gerne immer noch tun. Die Basis ist dagegen weiter und hat erkannt, dass nur völlige Offenheit und schonungslose Selbstkritik der Kirche ihre Glaubwürdigkeit und moralische Autorität zurückbringen können. Das so plakativ, so deutlich bei einem Fest zu machen, war zwar mutig – aber die richtige Entscheidung.

Weniger mutig fiel freilich die Wahl des Orts für das erste Stadtkirchenfest aus. Zur Jesuitenkirche und in den Ursulinen-Schulhof verirrt sich keine „Laufkundschaft“, dort bleibt man weitgehend unter sich. Da wären Paradeplatz, Marktplatz oder Kapuzinerplanken der bessere Ort. Trotz aller Verfehlungen ist die Kirche immer noch eine sehr wichtige, wertvolle Institution unserer Gesellschaft – sie darf sich nicht verstecken, sondern sollte dort feiern und noch mehr präsent sein, wo die Menschen sind.