Kommentar

Nachteile übersehen

Archivartikel

Jan Kotulla zu den Reformen bei den Gewichthebern

Ein Weiter so hat sich angesichts der massiven Dopingepidemie bei den Gewichthebern verboten. Vor den Olympischen Spielen in Rio war dem damaligen Bundestrainer Oliver Caruso angesichts der Versäumnisse der Kragen geplatzt. Der Bronzemedaillengewinner der Atlanta-Spiele 1996 hatte dem IOC vorgeworfen, Verfahren so lange verschleppt zu haben, dass Betrüger starten durften. Die Folge: Noch während der Spiele vor zwei Jahren wurde der kirgisische Medaillengewinner Issat Artykow positiv getestet. Der 22-Jährige hatte sich mit Rattengift aufgeputscht. Erst 2017 wurden neun Nationen für ein Jahr gesperrt.

Was der Weltverband allerdings jetzt an Neuerungen ausgetüftelt hat, scheint nicht bis ins Letzte durchdacht. So hat die Abkehr von der Quotenplatz-Regelung für Olympia zwar auch Vorteile, weil damit Heber belohnt werden, die konstant ihre Leistungen bringen. Wen allerdings eine Verletzung zurückwirft, der hat künftig kaum noch Chancen, ein Olympia-Ticket zu ergattern.

Und während bei der jetzt beginnenden WM mehrere Starter aus einer Nation in einer der völlig neu strukturierten Gewichtsklassen an die Hantel gehen können, ist es bei Olympia nur noch ein Heber. Packende Duelle wie zwischen den Superschwergewichtlern Matthias Steiner und Almir Velagic in Peking und London sind damit Geschichte. Diese Neuregelung trifft nun die deutschen Hoffnungsträger Nico Müller und Max Lang. Nur einer darf in zwei Jahren nach Tokio fahren.