Kommentar

Nah an Trump

Archivartikel

Thomas Spang über die Razzien beim Privatanwalt des US-Präsidenten: Der Sonderermittler ist der Wahrheit auf der Spur

Der mentale Zustand des amerikanischen Präsidenten muss Anlass zu großer Besorgnis geben. Sein Wutausbruch vor laufender Kamera über die Razzien in den Privat- und Geschäftsräumen seines persönlichen Anwalts Michael Cohen, zeigt, wie wenig sich Donald Trump unter Kontrolle hat. Dass er in diesem Zustand wenige Minuten später eine potenziell weitreichende Entscheidung über die Reaktion der Supermacht auf den Chemiewaffen-Angriff in Syrien traf, lässt wenig Gutes erwarten.

Hoffentlich haben die Generäle Trump davon abgehalten, seinen Frust daheim auf eine internationale Krise zu übertragen. Grund, nervös zu sein, hat der Präsident dagegen allemal. Während Sonderermittler Robert Mueller sorgfältig darauf achtete, Trump nicht unnötig zu provozieren, überschreitet die Razzia gegen Cohen seine Schmerzschwelle. Kaum jemand verfügt über mehr Insider-Informationen als sein „Mann für alle Fälle“. Klugerweise überließ es Mueller seinen Kollegen von der Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks in New York, gegen Cohen vorzugehen. Damit macht er sich selber unangreifbar, während er trotzdem Zugriff auf die Ermittlungsergebnisse haben wird.

Es muss Trump ganz besonders wurmen, dass sowohl der von ihm persönlich eingesetzte Bundesanwalt in New York als auch der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein den Razzien ausdrücklich zustimmten. Der Vorwurf, es handele sich um eine Hexenjagd Muellers, könnte nicht mehr als der Luft gegriffen sein.

Tatsächlich muss ein begründeter Verdacht auf schwerwiegende Straftaten und die Sorge vor Beweisvernichtung bestehen, damit bei dem Privatanwalt des US-Präsidenten ein Durchsuchungsbefehl erteilt wird. Als das sind schlechte Nachrichten für Trump. Wie in einem Mafia-Verfahren kreisen ihn die Ermittler weiter ein. Sein erster Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn kooperiert mit Mueller. Sein Wahlkampfmanager Paul Manafort ist bereits angeklagt, ebenso sein außenpolitischer Berater aus Wahlkampfzeiten George Papadopoulos. Mit Michael Cohn rücken die Ermittlungen jetzt ganz nahe an den Präsidenten selber heran. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Trump die Nerven darüber verliert.

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