Kommentar

Nahe an der Realität

Archivartikel

Michael Schwarz bewertet die Reform der Oberstufe

 

Weniger ist mehr. Dieses Motto gilt auch für die Reform der gymnasialen Oberstufe, auf die sich Grüne und CDU im Südwesten geeinigt haben. Damit reagiert die Landesregierung auf die Feststellung der Hochschulen, dass es vielen Abiturienten an Fachwissen fehle. Gerade dieser Punkt wird im Konzept von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) offensiv angegangen.

So haben die Oberstufenschüler zwar weniger Leistungsfächer, bei diesen wurde aber die Stundenzahl erhöht. Damit ist es möglich, ausgiebiger in die Tiefe zu gehen. Eine Stunde mehr pro Leistungsfach und pro Woche ist auf die Dauer gesehen der absolut richtige Schritt. Die Konzentration mag zwar den Anhängern eines inhaltlich breiteren Abiturs missfallen, trotzdem ist es für die Zukunft der Schüler wichtig, dass ihre Stärken frühzeitig effektiv gefördert werden. Die Basisfächer decken immer noch ein breites Spektrum ab. Zudem ist es sinnvoll, dass die Mindeststundenzahl für Naturwissenschaften erhöht wird. Diese Maßnahme wird der großen Nachfrage nach Ingenieuren gerecht - und natürlich auch den damit verbundenen Chancen für die Schüler, die ein Studium im naturwissenschaftlichen Bereich anstreben.

Trotzdem vernachlässigt Grün-Schwarz etwas: die Debatte über das acht- oder neunjährige Gymnasium. Bei der Einführung der Gemeinschaftsschulen wurde darüber diskutiert, an diesen flächendeckend das Abitur nach neun Jahren anzubieten - und an den Gymnasien nach acht Jahren. Dies war sinnvoll. Geblieben ist jedoch nur der unsägliche G-9-Modellversuch, der inhaltlich kaum begründbar ist. Doch auf diesem Feld ist Grün-Schwarz komplett unambitioniert.