Kommentar

Nazis aus dem Block

Alexander Müller zum Rassismus im Fußball

Dass Rassismus in manchen Kreisen wieder salonfähig geworden ist, dieses Problem hat der Fußball nicht exklusiv. Die politischen Scharfmacher vom rechten Rand arbeiten mit allen Mitteln daran, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben und das gesellschaftliche Klima im Land zu vergiften. Die entscheidende Frage lautet nur: Reagiert der zwangsläufig ebenfalls von diesem Phänomen betroffene Fußball darauf mit der notwendigen Klarheit und Konsequenz?

Im Fall des dunkelhäutigen Berliners Jordan Torunarigha fällt das Fazit zwiespältig aus. Einerseits distanzierten sich die Schalker entschieden, glaubhaft und vorbildlich von den rassistischen Beleidigungen einiger Fans gegen den Hertha-Profi – auch wenn ihr Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach seinen skandalösen Afrika-Äußerungen auf diesem Gebiet keine Glaubwürdigkeit mehr genießt. Die Gelsenkirchener Polizei arbeitet unter Hochdruck daran, die Nazis aus dem Block dingfest zu machen.

DFB gibt keine gute Figur ab

Weniger beispielhaft verhält sich der DFB. Schiedsrichter Harm Osmers wusste von den Berlinern, was offenbar vorgefallen war. Es gab jedoch keine Durchsage, keine Spielunterbrechung – sondern am Ende sogar noch eine zweifelhafte Gelb-Rote Karte für den verständlicherweise aufgewühlten Torunarigha. Der Verband hätte aber zumindest im Nachgang ein Signal setzen und die Sperre des jungen Herthaners für das nächste Pokalspiel annullieren können.

Das blieb leider aus, genau wie eine unmissverständliche öffentliche Ansage von DFB-Chef Fritz Keller zum Thema. Die klare Kante von Frankfurts Präsident Peter Fischer kann in diesem Zusammenhang als Vorbild gelten: Sein Satz, dass eine Mitgliedschaft bei der Eintracht nicht damit vereinbar ist, AfD zu wählen, gilt universell auch für den gesamten deutschen Fußball.

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