Kommentar

Neue Chance für die Grünen

Michael Schwarz über den Rückzug von Fritz Kuhn

Fritz Kuhn hat alle überrascht. Es galt bislang als ziemlich sicher, dass er Stuttgarts Oberbürgermeister bleiben will. Doch er entschied sich aus persönlichen Gründen anders, was zu respektieren ist.

An Kuhn gab es jedenfalls anhaltend Kritik. Vielen regierte er das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes zu farblos. Neue Großprojekte? Fehlanzeige! Kuhn gelang es nicht, in Stuttgart in Zeiten des technologischen und klimapolitischen Wandels eine Aufbruchstimmung zu erzeugen.

Für die Grünen besteht nun die Chance, einen volksnäheren Kandidaten zu präsentieren. Die besten Aussichten dürfte – sofern sie will – Muhterem Aras (Grüne) haben. Sie war bei der letzten Landtagswahl Stimmenkönigin in Stuttgart, ist die erste muslimische Landtagspräsidentin der Republik und wäre die erste Frau auf dem OB-Posten – eine Erzählung, die gut zum urbanen Lebensgefühl passt.

Tritt Aras an, müsste sich die CDU etwas einfallen lassen, deren Kandidatensuche bislang erfolglos verläuft. Mögliche Interessenten aus dem Kreis der Stuttgarter CDU kommen so antiquiert daher, dass ein Wahlerfolg unwahrscheinlich ist. Und verliert die CDU Stuttgart erneut, wäre dies ein schlechtes Signal für die Landtagswahl vier Monate danach. Denn bei dieser will die CDU wieder die Nummer eins im Südwesten werden.