Kommentar

Neue Dimension

Jürgen Berger zur Saison der TSG Hoffenheim

 

Dass die TSG Hoffenheim im Bundesliga-Finale erstmals den Sprung in die Champions League geschafft hat, kommt einem kleinen Fußball-Wunder gleich, an dem Julian Nagelsmann den größten Anteil hat. Mit Platz drei, der besten Platzierung der Clubgeschichte, ist dem Erfolgstrainer, der durch die Wechselgerüchte um seine eigene Person selbst schwierige Situationen meistern musste, das Meisterstück gelungen.

Der 30-Jährige hat sich durch sportliche Enttäuschungen in der Europa League, im DFB-Pokal oder zu Beginn der Rückrunde nicht vom Weg abbringen lassen – und dabei seine vielleicht größte Stärke ausgespielt: Nagelsmann ist ein außergewöhnlicher Motivationskünstler und „Spieler-Bessermacher“. Leistungsträger wie Torjäger Andrej Kramaric führte er ohne die Doppelbelastung zurück zur Topform, Außenverteidiger Nico Schulz gilt plötzlich sogar als Kandidat für den deutschen WM-Kader.

Zu den entscheidenden Faktoren für den Königsklassen-Coup, den der Mannschaft vor zwei Monaten kaum jemand zugetraut hatte, zählen neben der positiven Herangehensweise an Probleme vor allem die Erfolgsgier sowie der starke Teamgeist. Trotz riesigem Verletzungspech gab es im Endspurt keinen größeren Leistungsabfall. Jeder, der nach längerer Geduldsprobe seine Chance bekam, wandelte die eigene Unzufriedenheit in positive Energie um. Selbst der vergebene Matchball vor einer Woche in Stuttgart warf die TSG nicht aus der Bahn. Der verdiente Lohn sind nun ab September die Feiertage auf der bedeutendsten europäischer Bühne.

Dieses Abenteuer in Kombination mit der Bestätigung der aktuellen Endplatzierung wird eine riesige neue Herausforderung, die der Verein auf allen Ebenen voller Elan angehen und genießen wird. Die Mehreinnahmen von mindestens 30 Millionen Euro katapultieren Hoffenheim in eine neue Dimension.