Kommentar

Neue soziale Frage

Archivartikel

Martin Geiger ist der Meinung, dass Deutschland eine Gerechtigkeitsdebatte braucht

Klima und Flüchtlinge und sonst nichts. So könnte man mit Blick auf das Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen zusammenfassen, was die Deutschen bewegt. Und doch lässt ein Befund aufhorchen: 58 Prozent der Menschen sind der Meinung, dass es hierzulande ungerecht zugeht. In einem der reichsten Staaten der Welt. In dem die Sozialausgaben mehr oder weniger ständig steigen. Das macht nachdenklich. Und es belegt: Hier schlummert ein Problem.

Und wenn man nun bedenkt, dass die wirtschaftlichen Zeiten nicht einfacher, sondern vermutlich deutlich schwieriger werden dürften, dauert es wohl nicht mehr lange, bis es an die Oberfläche drängt. In Verbindung mit einer weiteren Erkenntnis der Forschungsgruppe, wonach mehr als 80 Prozent der Menschen einen Rückgang des gesellschaftlichen Zusammenhalts beklagen, könnte daraus sogar eine explosive Mischung entstehen. Darum braucht das Land eine neue Gerechtigkeitsdebatte.

Wie groß der Bedarf danach ist, haben der Enteignungs-Vorstoß des Juso-Chefs Kevin Kühnert und die Reaktionen darauf gezeigt. Seit Jahren wird die Kluft zwischen Armen und Reichen stetig größer. Die Globalisierung teilt die Welt in Gewinner und Abgehängte. Die Digitalisierung verschärft diese Entwicklung und schreit nach neuen Regeln.

Die Politik wäre gut beraten, das Problem anzugehen – anstatt darauf zu warten, bis es über sie hereinbricht.