Kommentar

Neue Wege, bitte!

Wolfgang Mulke ist ein Fan der Gesetzlichen Rentenversicherung: Damit das System Bestand hat, muss es kreativ reformiert werden

 

Es gibt in dieser wirren Welt auch noch ein paar Gewissheiten selbst an Stellen, wo sie niemand vermutet. Eine davon ist die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV). Das System ist trotz der gewaltigen Herausforderung einer alternden Gesellschaft zukunftsfähig. Im Gegensatz zu Geldanlagen am freien Kapitalmarkt ist die Finanzierung der jeweiligen Rentnergeneration durch die aktiven Arbeitnehmer auch verlässlich.

Das zeitweilige Versagen der kapitalgedeckten Alternativen hat sich in dieser Niedrigzinsphase hinreichend gezeigt. Die Rente kann auch in 20 Jahren noch sicher sein. Dafür müssen nun die Weichen von der neuen Rentenkommission gestellt werden. Die Sicherheit der staatlichen Altersvorsorge und das Vertrauen darin entstehen nicht von allein. Denn ohne eine Umgestaltung des Systems wird es kaum dauerhaft finanzierbar bleiben.

Es gibt zwei Ziele, an denen sich die Änderungen messen lassen müssen. Die Rente muss auch die Ruheständler der Babyboomer-Generation als wichtigste Säule der Alterssicherung finanziell tragen. Die Kosten dafür müssen für die heute 20- oder 30-Jährigen zugleich tragbar bleiben.

Es sind Ideen gefragt, die über die drei wichtigsten Stellschrauben hinaus reichen: Die Höhe der Beiträge, das Rentenniveau und das Rentenalter. Die Expertenkommission wird ihren Blick hoffentlich über Reformansätze allein innerhalb des Rentensystems hinaus werfen.

Eine kluge Arbeitsmarktpolitik kann bei der Stabilisierung der sozialen Sicherung helfen. Deutschland braucht möglichst viele, möglichst gut bezahlte Beschäftigte. Die Potenziale dafür sind längst noch nicht ausgeschöpft, insbesondere in Hinsicht auf gut ausgebildete Frauen.

Gefragt sind auch variantenreiche Übergänge vom Berufsleben in den Ruhestand. Bis zum Tag X arbeiten und dann bis zum letzten Atemzug nichts mehr tun, kann kein Leitbild des Alterns bleiben. Flexible Möglichkeiten sind besser als eine kaum vermittelbare Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

Kreativität ist auch beim Kampf gegen Altersarmut gefragt. Denn die gesetzliche Rente wird bei vielen langjährig Erwerbstätigen kaum über die Grundsicherung hinaus reichen. Eine höhere Grundrente für jahrzehntelange Beitragszahlungen ist daher angemessen. Die private und betriebliche Altersvorsorge könnte dieses immer noch niedrige Alterseinkommen auf ein akzeptables Niveau heben. Eine obligatorische Zusatzvorsorge mit einer Förderung, die nicht wie bei der Riester-Rente in den Kassen der Versicherungen landet, kann dies bewirken.

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