Kommentar

Neue Zeiten, schwere Zeiten

Marc Stevermüer zum Perisic-Transfer des FC Bayern

Es ist ja keinesfalls so, dass die Bosse des FC Bayern nicht seit einiger Zeit wussten, was da in diesem Sommer auf sie zukommt. Dass sie die Nachfolge von Franck Ribéry und Arjen Robben klären müssen, stand mindestens schon ein Jahr lang fest. Und nun, zehn Tage (!) vor dem Beginn der neuen Saison, haben die Münchner tatsächlichen einen (!) von zwei benötigten Außenbahnspielern präsentiert: Es ist – man halte sich fest – Ivan Perisic, eine seriöse und sinnvolle Ergänzung für die Kaderbreite, aber garantiert kein Unterschiedsspieler, der Titel bringt.

Ganz ehrlich: Solch eine (Not)-Lösung hatte man den Bayern vor ein paar Jahren nicht zugetraut, sie zeigt aber einmal mehr, dass die Münchner kaum noch wissen, was sie tun (sollen). Der deutsche Fußball-Rekordmeister hat gewaltige Probleme mit den veränderten Gegebenheiten auf dem Transfermarkt und kann sich nur schwer damit arrangieren, dass es plötzlich neue, zahlungskräftigere und auch cleverere Mitspieler im Millionenpoker gibt.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Münchner einfach in bester Mia-san-mia-Mentalität wie in einem Selbstbedienungsladen agierten und sich sicher sein konnten: Wenn wir rufen, ziert sich niemand – und erst recht sagt keiner ab. Bei Mario Götze und Robert Lewandowski war das noch so. Wunschspieler Rodrigo ging in diesem Sommer aber lieber zu Manchester City, Und Leroy Sané wartete so lange, dass sich die Münchner in ihrer Hilflosigkeit fast noch vor ihm hinknieten, um sein Ja-Wort zu bekommen – und nun ist er verletzt.

Gewiss, das hat auch mit Pech zu tun. Die Personalie Sané offenbart aber ebenso den fehlenden Plan B und bestätigt nur einmal mehr, wie unvorbereitet der FC Bayern diese Transferperiode anging. Die Folgen dieser Überforderung sind zwar noch nicht absehbar. Aber klar ist auch: Sämtliche Spitzenspieler der Welt sehen gerade, was da in München abgeht. Für künftige Verhandlungen bedeutet das nichts Gutes.

 
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