Kommentar

Neuer Stil

Archivartikel

Julius Müller-Meiningen zum Gespräch der deutschen Bischöfe im Vatikan: Es geht nicht nur um die Ökumene, sondern um die Methode des Papstes

 

Es ist eine neue Methode, die gestern im Vatikan Premiere hatte. Sechs deutsche Bischöfe trafen sich mit Offiziellen der Vatikan-Behörden, um eine komplexe Frage zu besprechen: Haben Bischofskonferenzen die Autorität, um wesentliche Fragen des katholischen Glaubens und der Seelsorge selbst zu klären, ohne auf grünes Licht aus Rom zu warten?

Im aktuellen Fall geht es um die Zulassung evangelischer Ehepartner zur katholischen Kommunion. Die deutschen Bischöfe sind sich nicht einig, sieben von ihnen baten deshalb den Vatikan in einem Protestbrief um Klärung. Gestern Abend kam es nun zum Epochenwandel. Die Bischöfe sollen sich selbst auf eine gemeinsame Lösung einigen und nicht mehr auf eine verbindliche Antwort aus dem Vatikan warten, so die Quintessenz des Treffens. Dieses Vorgehen ist gewöhnungsbedürftig für eine Kirche, die jahrzehntelang vom Hören auf die Obrigkeit lebte. Franziskus hat längst zu verstehen gegeben, welche Linie er sich für die Kirche wünscht.

Der Papst will weg vom Zentralismus und hin zu lokalen Lösungen. Dieser neue Kurs birgt Sprengkraft in sich, wie sich am Streit der deutschen Bischöfe zeigt. Am Ende dieses langwierigen Prozesses wird die katholische Kirche eine andere sein, nicht mehr die vermeintliche Einheit, sondern Vielfalt wäre die Konsequenz. Absolute Normen verlieren an Gewicht. Deshalb fällt es den Beteiligten so schwer, zu einer Einigung zu kommen.