Kommentar

Michaela Roßner zum abgeräumten „Gabentisch“

Nicht alles geht

Archivartikel

Lange hat die Weststädterin Ursula Hyder mit ihrem Tisch der kostenlosen Dinge viele Lächeln in die Gesichter von Vorbeikommenden gezaubert und verschmähten Dingen ein neues Zuhause besorgt. Doch möglicherweise ist der Seniorin die Sache nun über den Kopf gewachsen. Die Stadt, die lange mehrere Augen zudrückte und Geduld aufbrachte, ließ jetzt reinen Tisch machen.

Als die rührige Seniorin vor 25 Jahren aus Ärger über einen Verteilerkasten, der ihr vors Haus gesetzt wurde, anfing, Kostenloses darauf zu platzieren, war das unerhört und etwas ganz Besonderes zugleich. Das bürgerliche Haus entwickelte sich zum Anlaufpunkt nicht nur von Menschen, die nicht viel Geld haben, sondern auch von Sammlern und Idealisten. Ein Kommunikationszentrum entwickelte sich, wurde immer größer – und für manche Nachbarn zum Ärgernis.

Damals noch einmalig, sieht man heute überall l in der Region häufig, dass Möbel, alte Platten, Geschirr oder Kinderspielzeug mit dem Vermerk „Zu verschenken“ auf den Gehweg abgeschoben wird. Ganz ohne Sperrmülltermin entledigt man sich so unliebsam gewordener Gegenstände. Praktisch, nachhaltig? Nein, nicht alles geht. Verschenken kann man die Dinge immer in Recyclinghöfen, bei Bazaren oder im Bekanntenkreis. Der Trend zur Ausweitung des Privaten ins Öffentliche hingegen darf nicht selbstverständlich werden.

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