Kommentar

Nicht nachlassen

Die Vorfälle auf dem Pausenhof der Humboldtschule zeigen: Bei der Integration der vielen Zuwanderer und der Herstellung gleicher Lebensverhältnisse gibt es in der Neckarstadt-West weiter enormen Handlungsbedarf. Dabei hat die Stadt in den letzten Jahren etliches getan, um den Stadtteil zu stabilisieren und zu stärken. Das Einrichten der „Lokalen Stadterneuerung“ war so ein Instrument, das Dinge im Kleinen ermöglichte – wie den Sport- und Jugendpark am Alten Messplatz oder den Verein Kids. Gut so. Da darf man nicht nachlassen.

Auch das Land investiert in Bildung und Sprachförderung – zum Beispiel aus dem Topf des Wirtschaftsministeriums (nicht investive Städtebauförderung). Speziell für die Humboldt-Grundschule wurden Gelder für eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch ehrenamtliche Mentoren (Studenten oder Ex-Lehrer) bei 15 Schülern bereitgestellt – eine sinnvolle Maßnahme, die noch ausgedehnt werden könnte.

Denn nach wie vor ist der Förderbedarf der vielen bulgarischen Kinder groß, müssen die Lehrer denjenigen Schülern, die mit einem anderen Bildungshintergrund ankommen, die Regeln des Zusammenlebens erst einmal erklären. In Vorbereitungsklassen mit über 20 Schülern ist dies aber schwer möglich. Zudem prallen unterschiedliche kulturelle Identitäten und Vorstellungen mitunter hart aufeinander – keine einfache Lage für die Lehrkräfte, die damit umgehen müssen. Um Konflikte zu lösen oder zu vermeiden, braucht es Spezialwissen, Zuwendung, Zeit, Durchsetzungsvermögen. Ein Anfang wären mehr Übersetzer und Schulsozialarbeit für Schulen mit besonderen Herausforderungen – wie die in der Neckarstadt.

 
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