Kommentar

Nicht per Federstrich

Peter W. Ragge zur Neuregelung vom Gehwegparken

Gerade mal 170 von insgesamt 4300 Stellplätzen am Straßenrand der Innenstadt trifft es. Sie fallen weg, wenn die Stadt Mannheim jetzt Pfosten setzt und Linien zieht, um das Gehwegparken zu verhindern.

170 – das klingt nach keiner großen Zahl. Letztlich wird damit endlich ein Verbot in die Tat umgesetzt, das schon ewig nur auf dem Papier stand, um dessen Umsetzung im Alltag sich aber keiner geschert hat – kein Autofahrer und auch keine Verkehrsüberwachung. Viele schwächere Verkehrsteilnehmer werden froh sein, dass damit Schluss ist. Wer mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl unterwegs ist, ja nur mit Stock und Tasche, kann sich oftmals nur schwer oder gar nicht vorbeiquetschen an den weit in den Weg ragenden Blechkarossen. Im Sinne all dieser Menschen ist es richtig, dass das Gehwegparken nun eingeschränkt wird.

Das ist eine berechtigte, aber nur eine Sichtweise. Wichtig ist indes ebenso, den Blickwinkel der Autofahrer nicht zu vergessen. Die angekündigten Teilsperrungen von Straßen, höhere Parkgebühren, nun das Vorgehen gegen Gehwegparken – die Stadt hat da ja gerade ein Gesamtpaket geschnürt. Da sind die 170 wegfallenden Stellplätze erst ein Anfang, denn andere Quadrate nimmt man sich 2021 vor, danach die Vororte. Da ist es schon nötig, mit Augenmaß vorzugehen und nicht per Federstrich alle möglichen Stellplätze zu streichen. Die Botschaft, dass Autos einfach nicht mehr willkommen sind, wäre nämlich ein falsches Signal für den wichtigen Industrie- und Handelsstandort Mannheim.

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