Kommentar

Nie auf Kosten der Bürger

Stefan Proetel zum Ausbau des Güterverkehrs

Bund und Deutsche Bahn sind offensichtlich wild entschlossen, das jahrzehntelang brachliegende zweite Gleis auf der östlichen Riedbahnstrecke wieder instand zu setzen. Was das bedeutet, machen zwei Zahlen klar: Heute fahren auf der Strecke etwa 90 Züge am Tag, 2025 sollen es dann rund 250 sein – ein eigentlich unvorstellbarer Anstieg.

Grundsätzlich ist das Vorhaben, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, ebenso sinnvoll wie löblich. Ein Blick auf Autobahnen, Bundesstraßen, selbst auf städtische Hauptverkehrsrouten zeigt, dass konsequentes Handeln dringend geboten ist. Staus, eine zum Teil dramatisch erhöhte Unfallgefahr (Stichwort: Walldorfer Kreuz), Schadstoffemissionen, Verschleiß von Straßenbelägen und Brücken – weniger Laster, mehr Güterzüge: Nur so geht’s. Leider gleiten Güterzüge aber bedauerlicherweise nicht lautlos auf Luftkissen durch die Gegend. Sie rumpeln, quietschen und sorgen für ordentliche Erschütterungen neben den Gleisen. Faktoren, die Menschen auf Dauer krank machen können.

Deshalb kann die Forderung an Bund und Bahn auch in Zukunft nur lauten: Die Förderung und den Ausbau des Güterverkehrs auf jeden Fall konsequent weitertreiben – aber niemals auf Kosten von besonders betroffenen Kommunen und ihrer Bürger. Stadt und Bürgerinitiativen werden hellwach sein müssen, um die komplizierten (Schienen-)Stränge zu durchschauen, die Bund und Bahn mitunter legen.