Kommentar

Noch ein sehr weiter Weg

Jürgen Berger zum Start der Fußball-WM der Frauen

Fifa-Chef Gianni Infantino tönte kurz nach seiner Wiederwahl am Mittwoch, dass „die Welt in Frankreich die Explosion des Frauenfußballs erleben wird“. Eine Pflichtaussage, die schon seine Vorgänger stets vor großen Turnieren gebetsmühlenartig wiederholten. Viel mehr als vier Wochen im Rampenlicht in Jahren ohne Männer-EM oder -WM bleiben den Fußballerinnen in der Regel noch immer nicht.

Die Frauen greifen im Kampf um Gleichbehandlung inzwischen zu drastischen Mitteln. Die Norwegerin Ada Hegerberg – die unbestritten beste Spielerin der Welt – boykottiert die Weltmeisterschaft. Doch nicht nur die 23-Jährige, die mit einem Jahresgehalt von 400 000 Euro auch als bestbezahlte Fußballerin gilt – fordert mehr Respekt und Wertschätzung. Beim WM-Favoriten aus den USA ist das Thema omnipräsent. Die Spielerinnen strengten sogar eine Sammelklage wegen Diskriminierung gegen den eigenen Verband an.

Die WM bietet eine willkommene Bühne, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Fortschritte gibt es dabei sehr wohl. Die Fifa verteilt mit 26,3 Millionen Euro mehr als doppelt so viel Geld an die Teilnehmer wie bisher, auch der DFB hat eine Rekordtitelprämie von 75 000 Euro pro Spielerin ausgelobt.

Bis ans Ziel ist es aber noch ein sehr weiter Weg. Das verdeutlicht auch ein Blick auf die Frauen-Bundesliga: In der abgelaufenen Saison kamen im Schnitt lediglich 833 Zuschauer in die Stadien.

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