Kommentar

Noch mehr Mut

Archivartikel

Jürgen Berger zum Saisonstart in der NFL

Die NFL ist die wichtigste Profi-Liga in den USA mit der größten Strahlkraft. Mit großer Spannung wurde deshalb beim Saisonstart darauf gewartet, was für ein Zeichen im Kampf gegen Polizeigewalt und Rassismus die American-Football-Profis setzen würden, nachdem die Basketballer der Milwaukee Bucks zuletzt sogar ein Play-off-Match verweigert hatten. Doch das erhoffte ganz starke Signal blieb aus.

Während die Profis der Houston Texans während der symbolträchtigen Nationalhymne in der Kabine blieben, stand die Mannschaft von Super-Bowl-Champion Kansas City Chiefs um Superstar-Quarterback Patrick Mahomes fast komplett. Einzig Alex Okafor kniete und reckte die Faust. Mit Blick auf die Geschichte von Colin Kaepernick, der nach seinem Protest-Kniefall während der Hymne vor fast vier Jahren noch immer keinen neuen Verein gefunden hat, ist das zu wenig. Es braucht trotz der ersten wichtigen Schritte noch mehr Mut und Courage, um auf einem sehr steinigen Weg zum Ziel zu kommen – vor allem von den großen Namen. Quarterback-Legende Tom Brady hielt sich bisher zum Beispiel in der Debatte auffällig zurück.

Es scheint noch immer eine große Hemmschwelle bei den Spielern zu geben. Etwa aus Angst davor, wie Kaepernick, der frühere Quarterback der San Francisco 49ers, ihre sportliche Karriere aufs Spiel zu setzen. Auch die Reaktion einiger Fans in Kansas City, die die Spieler während einer Schweigeminute vor Matchbeginn ausbuhten, verdeutlicht die sehr schwierige Situation.

Liga-Boss Roger Goodell, der Fehler im Umgang mit Kaepernick mittlerweile eingeräumt hat, muss nun ebenfalls noch konsequenter vorangehen. Solange ein Profi offensichtlich für seine politischen Statements mit einem Berufsverbot bestraft wird, bleiben die NFL-Clubs trotz aller Bemühungen um Gleichberechtigung nicht vollkommen glaubwürdig.