Kommentar

Nötige Debatte

Peter W. Ragge zu Zweifeln an der Theatersanierung

Der Anlass war winzig, das Thema selbst bis auf eine kurze Information gar nicht groß auf der Tagesordnung. Und doch entlud sich im Kulturausschuss des Gemeinderats diese Woche plötzlich eine Spannung, die sich offenbar lange aufgebaut hatte. Mit vorher unbekannter Vehemenz machten Vertreter von CDU und SPD deutlich, dass sie eine Generalsanierung des Nationaltheaters nicht einfach so durchwinken werden.

Das ist im Prinzip richtig so. Im Gegensatz zu den 1970er bis 1990er Jahren gibt es keine leidenschaftlichen Debatten mehr, sieht sich der Gemeinderat kaum als Korrektiv der Verwaltung. Eine grundsätzliche Aussprache darüber, wohin es mit dem Theater gehen soll, hat es seit gefühlt ewigen Zeiten nicht mehr gegeben. Kulturpolitik beschränkte sich weitgehend darauf, bei Zuschüssen immer draufzusatteln.

Beschluss seit 2015

Das Problem ist nur, dass wir uns in Sachen Nationaltheater bereits – im Bauherren-Deutsch gesprochen – in der „Leistungsphase 3“ befinden. Das heißt: Der Auftrag zur Entwurfsplanung ist längst erteilt. Die Grundsatzentscheidung zur Generalsanierung fiel im Juni 2015. Aufgeschreckt ist der Gemeinderat erst, als im Juli 2017 die Kostenschätzung von 185 Millionen Euro kam. Vorher wurden viele jetzige Fragen nie gestellt.

Dennoch sind sie richtig und wichtig, muss die Stadt sie ernst nehmen und beantworten. Das ist eine Gratwanderung. Während das Land gerade eine Milliarde Euro in die Staatstheater Stuttgart und Karlsruhe investiert, sollten wir Mannheimer nicht durch Uneinigkeit einen Vorwand dafür liefern, uns mit den Problemen des Nationaltheaters hängenzulassen.

Nicht zu beneiden

Berechtigte Zweifel dürfen zudem nicht jenen Kräften in die Hände spielen, die generelle Gegner einer starken Förderung der „Hochkultur“ sind – was am Ende dazu führen könnte, dass gar nichts passiert. Das wiederum wäre das Aus für unser Theater. Der Oberbürgermeister ist um die Aufgabe, diese Debatte zu moderieren, nicht zu beneiden. Stellen muss er ihr sich trotzdem, denn sie ist nötig.

Zum Thema