Kommentar

Normal – und doch verdächtig

Hagen Strauß über türkische Schulen in Deutschland

Die ersten Reaktionen sind fast so wie beim Pawlowschen Hund, dem man die Wurst hinhält: Die Türkei will in Deutschland drei türkische Schulen gründen, das darf doch nicht wahr sein. Schreitet eine religiöse und politische Unterwanderung durch Präsident Erdogan und seine Regierung also munter voran? Der Verdacht, dass die Politik Ankaras weiter Fuß fassen soll in der großen türkischen Gemeinde, liegt selbstverständlich nahe. Aus guten Gründen: In den letzten Jahren sind die Aktivitäten auf deutschem Boden massiv ausgeweitet worden, angefangen beim Einfluss auf Moscheen bis hin zu einem verstärkten, türkischen Medienangebot. Und dass Deutschland politische Zielscheibe Erdogans ist, hat der Präsident ein ums andere Mal mit seinen verbalen Attacken bewiesen.

Trotzdem gilt: Zunächst einmal ist es völlig normal, dass Länder in anderen Staaten Schulen errichten, die dann von privaten Trägern unterhalten werden. Deutschland selbst hat laut Auswärtigem Amt 20 Bildungsabkommen abgeschlossen. Weltweit gibt es rund 140 anerkannte deutsche Schulen im Ausland, die meist einen sehr guten Ruf genießen. Auch in der Türkei. Zum Teil mit einem spezifischen Zweck, weil sie sich an das Botschaftspersonal richten. Hierzulande sind wiederum französische und britische Einrichtungen selbstverständlich. Warum sollte man sie der Türkei verweigern?

Objektiv gibt es dafür keine Gründe. Denn auch die Vorgaben für solche Schulen sind eindeutig: Sie müssen deutschem Recht unterliegen und sich an die Bildungsgesetze der jeweiligen Bundesländer halten. Punkt. Das durchzusetzen und regelmäßig zu überprüfen ist Aufgabe der Behörden. Sie müssen sicherstellen, dass die Einrichtungen von Anfang an frei von jeder ideologischer und politischer Einflussnahme des türkischen Staates bleiben. Wird sich daran gehalten, gut so. Wenn nicht, müssen Abkommen notfalls aufgekündigt werden.

 
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