Kommentar

Notwendige Transparenz

Archivartikel

Thorsten Langscheid über die Zählungen des Radverkehrs

Endlich: Jeder kann nun selbst nachschauen, wie sich der Fahrradverkehr in der Stadt entwickelt. Bis die Daten der Messstellen allgemein zugänglich wurden, hat es sechs Jahre gedauert – von der Inbetriebnahme der ersten Zählstelle an der Renzstraße 2014 bis jetzt. Und die noch nicht ans Netz angeschlossenen Induktionsschleifen sollten baldmöglichst folgen, damit ein Vergleich des Radverkehrsaufkommens in der Innenstadt und in den Stadtteilen möglich wird.

Die Diskussion um den Ausbau des Radwegenetzes kann mit den Daten nun sachlich und auf Augenhöhe geführt werden. Das war – leider – nicht immer so. Im Umfeld des Drais-Jubiläums 2017 hatte es nicht unerhebliche Irritationen gegeben, weil eine wissenschaftliche Untersuchung zum Verkehrsverhalten nicht das gewünschte Ergebnis brachte. Steigerungsraten im Radverkehr waren – und das ausgerechnet zum Fahrradjubiläum – niedriger ausgefallen als erhofft, die Veröffentlichung der Ergebnisse war erst nach langwierigem Hin und Her möglich.

Wie es aber mit solchen Zahlen immer ist: Die Daten sind das eine, die Interpretation und die Erklärung von Hintergründen und Begleitumständen sind das andere. Nicht immer gibt es für Rückgänge oder Zuwächse Gründe, die so eindeutig zugeordnet werden können, wie die Corona-Pandemie. Manchmal ist es das Wetter, manchmal eine Baustelle, manchmal die wirtschaftliche Entwicklung und manchmal alles zusammen, was das Mobilitätsverhalten der Menschen beeinflusst.

Deswegen gehört zur notwendigen Transparenz bei den zugrundeliegenden Daten auch die grundsätzliche Bereitschaft aller Beteiligten, sich über die Interpretation dieser Zahlen offen auszutauschen.