Kommentar

Nur Augenwischerei

Archivartikel

Tatjana Junker zum CO2-Ausgleich bei Shell

Die Umwelt belasten und dafür freiwillig eine Art Entschädigung bezahlen: Dieses Modell bieten immer mehr Unternehmen ihren Kunden an, zum Beispiel in der Luftfahrtbranche. Auch der Energiekonzern Shell springt jetzt auf diesen Zug auf. Mit dem Geld, das Autofahrer dort künftig für jeden getankten Liter Benzin zusätzlich drauflegen können, sollen zum Beispiel Wälder in Peru oder Indonesien aufgeforstet werden.

Das mag zunächst nach einer guten Idee klingen: Schließlich ist es immer noch besser, Geld für Umweltschutzprojekte zu spenden, als gar nichts für das Klima zu tun. Gleichzeitig verleiten solche Modelle zu gefährlicher Augenwischerei. Der Verbraucher bekommt die Möglichkeit, sich mit ein paar Euro ein grünes und damit ruhiges Gewissen zu erkaufen.

Sein eigentlich klimaschädliches Verhalten – nämlich drei Mal im Jahr in Urlaub zu fliegen oder jeden Morgen mit dem SUV die 500 Meter zum Bäcker zu fahren – muss er so nicht kritisch hinterfragen. Das wäre natürlich auch nicht im Sinne von Unternehmen wie Shell oder Lufthansa. Wirklich effektiver Klimaschutz, der darin bestünde, dass wir alle auf das Auto und den Flieger so oft wie möglich verzichten, bedroht ihr Geschäftsmodell schließlich existenziell.