Kommentar

Nur das Ende passt nicht

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Marc Stevermüer zieht ein Fazit der Löwen-Saison

 

Erfolgreiche Mannschaften sind niemals mit dem zufrieden, was sie haben. Diese nach Titeln gierenden Teams sind zu keiner Zeit satt und wollen immer alles gewinnen. Und deswegen ist die Enttäuschung der Rhein-Neckar Löwen verständlich. Nach dem Supercup und dem DHB-Pokal hätten die Badener gerne auch die Meisterschaft geholt, zumal die Ausgangslage im Saison-Endspurt prächtig war. Am Ende wurde es Platz zwei und die damit verbundene Champions-League-Teilnahme. Für einen Club, der vor der Runde aufgrund des Weggangs von Kim Ekdahl du Rietz intern von einer Übergangssaison sprach, ist das – trotz des momentanen Schmerzes – ein Erfolg. Vor allem auch mit Blick auf die geringeren finanziellen Mittel im Vergleich mit dem THW Kiel oder der SG Flensburg-Handewitt, was beim Pokalsieger aus Mannheim erneut zu einer fehlenden Spitze in der Kader-Breite geführt hat.

Der gefühlte Meister

Es gibt also nicht viel zu kritisieren, den Spannungsabfall nach dem Pokalsieg Anfang Mai muss der Bundesligist allerdings aufarbeiten. Das Wochenende in Hamburg, wo die Löwen im elften Anlauf erstmals die Trophäe gewannen und als haushoher Favorit erneut unter immensem Druck standen, verlangte den Badenern mental offenbar nicht nur alles, sondern am Ende zu viel ab. Oder anders ausgedrückt: In dem Moment, als sie den Pokal-Fluch besiegten, gaben die Löwen die Meisterschaft aus der Hand.

Aber – und auch das gehört zur Wahrheit: Am Ende fehlten nur Kleinigkeiten zur dritten Meisterschaft in Folge. Wirft Minden am drittletzten oder Göppingen am letzten Spieltag in Flensburg ein Tor mehr, sind die Löwen Meister. Wird die Partie der Badener in Erlangen am 31. Spieltag zwei Sekunden früher abgepfiffen, sind sie Meister. Nutzt der Pokalsieger wenig später gegen Melsungen in der Endphase nur eine seiner unzähligen Chancen, ist er Meister. Kurzum: Nuancen entschieden über Rang eins und zwei – gefühlt sind die Löwen ohnehin der Meister. Denn nicht umsonst gingen die Auszeichnungen für den besten Spieler (Andy Schmid), den besten Torwart (Mikael Appelgren) und den besten Trainer (Nikolaj Jacobsen) an die Badener. Es wäre also falsch, nun zu viel zu hinterfragen.

Gut gerüstet für die Zukunft

Zwei Meisterschaften und ein Pokalsieg in den vergangenen drei Spielzeiten sprechen für sich – und die Zeichen stehen gut, dass es auch in der Zukunft etwas zu feiern gibt. Denn der Club ist nicht nur sportlich, sondern zuletzt auch wirtschaftlich gewachsen. Zur neuen Saison steigt der Etat von 7,5 auf fast 8 Millionen Euro, was sich bei den Personalplanungen schon eindrucksvoll bemerkbar gemacht hat: Mit Steffen Fäth, Ilija Abutovic, Jesper Nielsen und Jannik Kohlbacher kommen gleich vier neue Hochkaräter nach Mannheim.

Dieses Quartett wird dieses Team besser machen – und die verbliebenen Spieler wird vor allem ein Gedanke antreiben: Sie möchten im Sommer 2019 die Schale wieder in die Höhe halten. Denn man kann sich sicher sein: Das Saisonfinale 2018 wollen Kapitän Schmid und Co. so nicht stehenlassen, die Gier ist immer noch ungebrochen. Vielleicht ist sie seit einigen Tagen sogar größer denn je.

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