Kommentar

Nur eine Frage der Zeit

Jan Kotulla zum sechsten WM-Titel von Lewis Hamilton

Konstanz hat einen Namen: Lewis Hamilton. Als einziger Fahrer hat der Brite in jedem Saisonlauf gepunktet und sich nicht nur deshalb verdient erneut vorzeitig zum Formel-1-Champion gekrönt.

Angesichts der Überlegenheit von Mercedes – der Vize-Titel ist Teamkollege Valtteri Bottas nur noch theoretisch zu nehmen – war es nur eine Frage der Zeit, wann die Silberpfeil-Piloten alles klar machen. Zwei Rennen vor Schluss war es nun vor den frenetisch feiernden Fans in Austin soweit, der 34-Jährige fuhr zu seinem sechsten Weltmeister-Titel.

Nicht nur deshalb ist diese Saison eine außergewöhnliche. Der Tod von Niki Lauda, der Mercedes mit seiner direkten und manchmal grantelnden Art weitergeholfen hat, traf das Team und insbesondere Hamilton hart – hat es aber noch mehr zusammengeschweißt.

Ganz anders sah die Gefühlslage bei Ferrari aus. Größer war die Diskrepanz zwischen den Eindrücken der Tests und den Ergebnissen in den Rennen noch nie. Hatte Sebastian Vettel vor der Saison mit glänzenden Zeiten überrascht und die Hoffnung auf packende Duelle mit den Silberpfeilen geweckt, hinkten die Roten aus Maranello ihren eigenen Ansprüchen hinterher, sobald der Kampf um die Punkte eröffnet war. Zusätzlich schwächten sich die Italiener durch taktische Fehler und die teaminternen Querelen zwischen Vettel und Senkrechtstarter Charles Leclerc. Der Monegasse hat mit seiner Unbekümmertheit dem Heppenheimer längst den Rang abgelaufen.

Renaults Betrug als Tiefpunkt

Für den absoluten Tiefpunkt hat jedoch Renault mit seinem Bremsenbetrug gesorgt. Mit der nachträglichen Disqualifikation von Japan sind die Franzosen noch glimpflich davongekommen. Diese Aktion hat der Konzernspitze mit Sicherheit keine Argumente geliefert, die millionenschwere Investition fortzuführen. Für Nico Hülkenberg sind die Tage bei Renault ohnehin gezählt. Wohin es den einzigen weiteren deutschen Fahrer neben Vettel verschlägt, steht in den Sternen. Vielleicht sitzt der 32-Jährige 2020 im zweiten Williams, wenn das Missverständnis mit Robert Kubica bei den Briten beendet ist. Der tapfere Kampf des Polen, der sich nach seinem schlimmen Rallye-Unfall in die Königsklasse zurückgekämpft hat, wurde nicht belohnt. Die körperlichen Anforderungen waren einfach zu hoch.

Hoffen für Hockenheim

Generell wird spannend sein, wie sich die Rennställe vor der Zäsur 2021 mit dem neuen Reglement aufstellen – und ob alle Teams zu einer Einigung finden. Dass Deutschland im kommenden Jahr Formel-1-frei bleiben wird, war zu erwarten. Um so größer sind die Erwartungen an das neue Führungsteam der Betreiber-GmbH, die Zukunft des Hockenheimrings langfristig zu sichern. Vielleicht können sich die Macher ja etwas bei den niederländischen Nachbarn abschauen: Die Euphorie vor der Rückkehr der Formel 1 nach Zandvoort ist jedenfalls riesig. Und für Max Verstappen dürfte der Heimvorteil ein zusätzlicher Motivationsschub sein. Ob das reicht, damit Red Bull Mercedes und Lewis Hamilton das Leben wieder etwas schwerer machen kann, bleibt abzuwarten. Schließlich können Testfahrten – das hat die Vergangenheit bewiesen – maximal als kleiner Fingerzeig für die möglichen Kräfteverhältnisse dienen.

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