Kommentar

Nur eine Zwischenstation

Archivartikel

Jörg-Peter Klotz zur Zunahme der Audio-Streams

Mehr als 100 Milliarden Audiostreams in Deutschland im Jahr 2019 – das wertet Florian Drücke als Chef des Bundesverbands Musikindustrie völlig zu Recht als „Meilenstein“. Und wenn der Heidelberger von erheblicher Dynamik in diesem Bereich“ und Akzeptanz bei den Musikfans spricht, heißt das: Diese Zahl ist keine Zäsur, sondern gerade mal eine Zwischenstation. Seit 2017 hat sich die Zahl der bei Streaming-Diensten gehörten Lieder fast verdoppelt, von 2018 zu 2019 beträgt der Zuwachs mehr als ein Drittel. Das ist kein Wunder, denn das Angebot von Spotify, Apple Music, Deezer und Co. ist für viele Hörer inzwischen einfach zu gut, zu bequem und vor allem zu preiswert, um daran vorbeizugehen. Spätestens seit die Dienste trotz der digitalen Funklöcher auch mobil, also zum Beispiel auch im Auto, funktionieren, und die verblüffende Entwicklung der Lautsprecher-Technik Klangdefizite abmildert, stellt sich beim Hantieren mit CDs immer mehr die Sinnfrage.

Allerdings bedeutet preiswert, das ist die unangenehme Botschaft für die Endkunden, eigentlich zu billig. Die Abos gehen in einem Markt, der sich immer noch sortiert, zu Kampfpreisen über den Tisch, Angebote sind mit minimaler Werbung teilweise sogar kostenlos. Die Leidtragenden sind die Künstler, die meistens Cent-Beträge im Promille-Bereich pro Stream erhalten. Wenn ein Newcomer wie Apache 207 also nicht gleich geradezu märchenhafte neunstellige Abrufzahlen verzeichnet, wird es künftig noch schwerer, mit Musik eine Existenz aufzubauen.

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