Kommentar

Nur Einigkeit macht stark

Wolfgang Mulke zur rücksichtslosen Wirtschaftspolitik Donald Trumps: Der US-Präsident vergiftet die transatlantischen Beziehungen

 

Wenn eine Beziehung in die Krise gerät, wollen es die Beteiligten oft erst zu spät wahrhaben. Rechtzeitig bemerkt, wäre vielleicht noch etwas zu retten. So ein Drama deutet sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und den USA, besser gesagt zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Rest der Welt an. Die fortlaufenden Sticheleien angefangen von Strafzöllen bis hin zu Exportbeschränkungen als Strafandrohung durch den mächtigsten Mann der Welt sind geeignet, die traditionell engen transatlantischen Beziehungen nachhaltig zu vergiften. Unsicherheit ist der Feind guten Wirtschaftens, und für dieses Gift sorgt Trump reichlich. Mittlerweile muss sich auch in den europäischen Regierungen die Erkenntnis durchsetzen, dass der Präsident nur eine Sprache kennt, die der massiven Gegenwehr. Dazu sind Deutschland, Frankreich und die anderen Länder der Europäischen Union aber bisher nicht fähig. Wirtschaftlich ist Europa ein Riese, politisch ein Jammerlappen. Das muss sich ändern, wenn sich die EU im neuen Wettbewerb mit den Großmächten USA und China wirtschaftlich behaupten will.

Nur Einigkeit macht stark, und daran mangelt es in Europa, angefangen von den niedrigen Steuersätzen, die den US-Hightech-Giganten gewährt werden, bis hin zum Preisgeben der zukünftigen Wohlstandsquellen, die den digitalen Technologien entspringen. Niemand kann verlangen, dass der Nachholbedarf über Nacht gedeckt werden kann. Politiker wie Trump brauchen aber so ein Gegengewicht, sonst wird Instabilität zum Dauerzustand. Vielleicht wächst unter diesem Druck ja zusammen, was gerade partout nicht weiter-wachsen will. Dann hätte selbst ein so chaotischer Politikstil noch seine guten Seiten.

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