Kommentar

Nur Vorteile

Vor 18 Jahren erlaubte die Schweiz medizinische Fernbehandlungen. Gestern hat der Deutsche Ärztetag in Erfurt beschlossen, nachzuziehen. Endlich – denn im deutschen Gesundheitswesen hat man sich lange gegen die Digitalisierung gesträubt, obwohl an ihr kein Weg vorbeiführt.

Lange Zeit beschworen Mediziner die vermeintlichen Gefahren der Telemedizin und hüteten das ihnen heilige Fernbehandlungsverbot, das aus dem 19. Jahrhundert stammt. Mit dem Beschluss in Erfurt begreifen die Ärzte jetzt, welche Chancen Online-Behandlungen als Ergänzung zur persönlichen Untersuchung bieten. Patienten müssen bald nur noch zum Handy greifen, um ihren Arzt zu erreichen. Gerade dort, wo es keine Landärzte gibt, entfällt somit der weite Weg in die Stadt. Mit Fernbehandlungen kann der Ärztemangel abgemildert werden.

Nicht nur das, auch das lange Warten auf einen Termin könnte der Vergangenheit angehören. Also keine Zeitverschwendung mehr in überfüllten Praxen, wo unzählige andere Viren lauern könnten. Stattdessen berät sich der Patient ohne größeren Aufwand, bei sich zu Hause, per Videotelefonie mit seinem Arzt. Und wenn dieser im Gespräch Zweifel an einer ordentlichen Behandlung über die Ferne hat, kann er den Patienten immer noch einbestellen.

An der ärztlichen Sorgfalt und Expertise werden Fernbehandlungen jedenfalls nicht scheitern. Denn auch für eine Online-Behandlung müssen Mediziner haften. Sie werden sich also davor hüten, vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

Und letztlich sollte der Patient selbst entscheiden können, ob für ihn eine Fernbehandlung infrage kommt. Falls nicht, so steht ihm der gewohnte Weg in die Praxis frei.