Kommentar

Ohne echte Macht

Archivartikel

Alexander Müller zur Zwischenbilanz von Salihamidzic

Hasan Salihamidzic hat es von Beginn an schwer gehabt. Als Notlösung auf dem Posten des Bayern-Sportdirektors abqualifiziert, weil der Gladbacher Manager Max Eberl und Philipp Lahm zuvor abgesagt hatten, musste der Bosnier in seinem ersten Amtsjahr an der Säbener Straße zwischen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge das eigene Profil schärfen – also eingekeilt zwischen zwei der mächtigsten Alphatiere des deutschen Fußballs. Es ist ihm nur leidlich gelungen.

Die Entscheidungen in München treffen immer noch Hoeneß und Rummenigge, Salihamidzic agiert teilweise unter der öffentlichen Wahrnehmungsgrenze. Das muss per se nichts Schlechtes sein, aber ein wuchtiger Weltverein wie der FC Bayern braucht an dieser Stelle im Organigramm dringend einen kritischen Geist mit Fußballsachverstand und festem Standing im Club, der auch einmal gegen die alten Herrscher aufbegehrt und verkrustete Strukturen aufbricht. Das ist Salihamidzic nicht – auch deshalb, weil Hoeneß und Rummenigge 2017 bei der Neubestellung eines Sportdirektors nach Matthias Sammers Rücktritt und einjähriger Vakanz keine echte Macht abgeben wollten. „Ich glaube, dass Uli Hoeneß noch zu tatkräftig ist, um loszulassen. Zu jung“, meinte Lahm damals vielsagend.

Durch besonders kreative Einfälle in der Transferpolitik hat sich der neue Sportdirektor bisher allerdings auch nicht hervorgetan, der nötige Umbruch im Bayern-Kader fand höchstens in homöopathischen Dosen statt. Auch wenn er es von Beginn an schwer hatte: Viele Akzente hat Salihamidzic noch nicht gesetzt.

Zum Thema