Kommentar

Ohne Plan

Alexander Müller zur Situation beim FC Bayern

Wenn die Bosse schweigen, ist beim FC Bayern intern die höchste Alarmstufe ausgerufen. Nach dem fußballerischen Offenbarungseid beim 1:5 in Frankfurt spricht vieles dafür, dass Niko Kovac Weihnachten 2019 nicht mehr als amtierender Trainer der Münchner feiern wird – die offenkundigen Problem jedoch alleine dem Kroaten anzulasten, greift viel zu kurz.

Sicher, Kovac bekommt die Defizite auf seinem Kerngebiet nicht in den Griff: schwindelerregend schlechtes Abwehrverhalten, eine nur bruchstückhaft erkennbare Spielidee, das weitgehende Fehlen von eingeübten Abläufen im Angriffsspiel. Und welch anderen Schluss lassen die kläglichen Auftritte bei Zweitligist Bochum (2:1) und bei der Eintracht zu, als dass Kovac zumindest Teile seiner Mannschaft verloren hat? Sollte der Berliner beurlaubt werden, darf er sich deshalb nicht beschweren: Der Kroate hat es in anderthalb Jahren nicht geschafft, eine stabile, kontinuierliche Weiterentwicklung des Teams anzustoßen. Das, was man gemeinhin die „Handschrift“ eines Trainers nennt.

Der FC Bayern im Herbst 2019 ist eine Ansammlung hochbezahlter Individualisten, keine funktionierende Mannschaft. Die Kaderzusammenstellung hat Kovac allerdings nur bedingt zu verantworten. Von einem strategischen Plan, wie die Münchner zumindest mittelfristig wieder in die Nähe eines Champions-League-Gewinns kommen wollen, ist wenig bis nichts erkennbar. Die Leihe von Philippe Coutinho steht sinnbildlich für eine viel zu oft aus der Not geborene Personalpolitik – der Brasilianer kam nur, weil sich Wunschkandidat Leroy Sané am Kreuzband verletzte. In Frankfurt trabte Coutinho ähnlich wie Kollege Thiago über den Platz, als sei die Eintracht ein Gegner unter seiner Würde. Diese Probleme würden auch ohne Kovac bleiben. Das wissen auch die Bayern-Bosse.