Kommentar

Ohne Plan

Alexander Müller zur Beurlaubung von Niko Kovac

Wenn die Bosse intern schweigen, ist beim FC Bayern die höchste Alarmstufe ausgerufen. Nach dem Offenbarungseid beim 1:5 in Frankfurt hatte sich abgezeichnet, dass Niko Kovac nicht mehr lange Münchner Trainer sein wird – schnell kam nun der Vollzug.

Die offenkundigen Probleme jedoch alleine dem Kroaten anzulasten, greift viel zu kurz. Sicher, Kovac hat die Defizite auf seinem Kerngebiet nicht in den Griff bekommen: Schwindelerregend schlechtes Abwehrverhalten, eine nur bruchstückhaft erkennbare Spielidee, das weitgehende Fehlen von eingeübten Abläufen im Angriffsspiel. Und welch anderen Schluss ließen die kläglichen Auftritte bei Zweitligist Bochum (2:1) und bei der Eintracht zu, als dass Kovac zumindest Teile seiner Mannschaft verloren hat? Nachdem der 48-Jährige nun beurlaubt ist, darf er sich deshalb nicht beschweren: Der Coach hat es in anderthalb Jahren nicht geschafft, eine stabile, kontinuierliche Weiterentwicklung des Teams anzustoßen. Das, was man gemeinhin die „Handschrift“ eines Trainers nennt.

Der FC Bayern im Herbst 2019 ist eine Ansammlung hochbezahlter Individualisten, keine funktionierende Mannschaft. Die Kaderzusammenstellung hatte Kovac allerdings nur bedingt zu verantworten. Von einem strategischen Plan, wie die Münchner zumindest mittelfristig wieder in die Nähe eines Champions-League-Gewinns kommen wollen, ist wenig bis nichts erkennbar. Die Leihe von Philippe Coutinho steht sinnbildlich für eine viel zu oft aus der Not geborene Personalpolitik – der Brasilianer kam nur, weil sich Wunschkandidat Leroy Sané am Kreuzband verletzte. In Frankfurt trabte Coutinho ähnlich wie Kollege Thiago über den Platz, als sei die Eintracht ein Gegner unter seiner Würde. Diese Probleme bleiben auch ohne Kovac. Das wissen auch die Bayern-Bosse.