Kommentar

Ohne Rücksicht auf Verdienste

Archivartikel

Alexander Müller zu Joachim Löws neuer Konsequenz

Die letzten Helden von Maracanã werden sich ein bisschen einsam fühlen, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am 18. März zum Auftakt ins Länderspiel-Jahr 2019 zusammenkommt. Nur Manuel Neuer, Toni Kroos, Julian Draxler und Matthias Ginter waren aus dem aktuellen Aufgebot noch bei der Sternstunde des deutschen Fußballs im WM-Finale 2014 dabei. Mit für ihn untypischer Härte hat Bundestrainer Joachim Löw gestern die Nationalmannschaftskarrieren der langjährigen Leistungsträger Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller für beendet erklärt. Es ist das klare Signal zum Aufbruch ohne Rücksicht auf alte Verdienste – das allerdings neun Monate zu spät kommt.

Löw lavierte nach dem historischen WM-Fiasko von Russland viel zu lange herum und scheute einen Großteil der knallharten Entscheidungen, die er jetzt ein wenig überraschend doch trifft. Eine unerklärliche Ausnahme bleibt allerdings: Es ist höchste Zeit, dass sich der trotz mauer Saison bisher weiter unantastbare Kapitän Neuer dem sportlichen Zweikampf mit dem beim FC Barcelona großartig haltenden Marc-André ter Stegen stellen muss. Die letzten Aussagen Löws deuten zumindest in diese Richtung.

Für Müller, Hummels und Boateng mag die Entscheidung persönlich bitter sein, fachlich vertretbar ist sie bei jedem der drei Weltmeister. Boateng und Hummels haben schon seit längerem nicht mehr das Weltklasse-Format früherer Jahre. Das hat übrigens auch der FC Bayern erkannt, bei dem das Duo perspektivisch nicht mehr besonders hoch im Kurs steht. Ähnlich gelagert ist der Fall bei Müller, der in der DFB-Elf im Grunde seit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 nur noch ein Mitläufer gewesen ist.

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