Kommentar

Olympische Zwickmühle

Jan Kotulla zum Festhalten an den Sommerspielen 2021

Der Druck ist immens und steigt weiter. Athleten, Trainer und Sportbegeisterte auf der ganzen Welt warten auf eine endgültige Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, ob die auf 2021 verschobenen Sommerspiele tatsächlich stattfinden. In diese schier ausweglose Lage hat sich IOC-Boss Thomas Bach selbst hineinmanövriert. Statt Mut zu beweisen und angesichts der außergewöhnlichen Dimensionen dieser Pandemie gleich auf 2022 zu setzen, zögerte Bach lange, ehe er entschied, auf nächstes Jahr auszuweichen.

Doch was hat sich seit Mai Grundlegendes verändert? Vor allem, dass ein Impfstoff wohl Anfang 2021 verfügbar sein wird. Doch weder Fans noch Aktive dürften zur Gruppe derjenigen gehören, die als erste immunisiert werden. Das geben die Verantwortlichen selbst zu.

Insofern hat man des öfteren das Gefühl, den Machern vor Ort und den Sportfunktionären gehe es vor allem darum, schlicht die Spiele zu organisieren, damit die Sponsoren nicht ihr Geld zurückfordern. Dass den meisten Sportlerinnen und Sportlern die Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten fehlen, dass sie sich Sorgen um ihre Gesundheit und ihre Zukunft machen – ob diese Themen in Tokio besprochen wurden, ist nicht überliefert.

Angesichts der jüngsten Botschaften sind Bach und die Tokio-Verantwortlichen gezwungen, die Spiele durchzuziehen – um jeden Preis. Doch sind das noch die Spiele, für die sich die Menschen begeistern? Wohl kaum.

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