Kommentar

Parteien im Ökowettbewerb

Hagen Strauß zum geplanten Verbot von Plastiktüten

Schadet nichts, bringt aber auch nicht viel: So lässt sich das Verbot von Plastiktüten bewerten, das Umweltministerin Svenja Schulze nun mit viel Tamtam auf den Weg gebracht hat.

Das Wissen um die fehlende Umweltverträglichkeit ist bei den meisten Verbrauchern sowieso erheblich gewachsen, seit die Plastiktüten in zahlreichen Geschäften nicht mehr kostenlos erhältlich sind oder gleich ganz verbannt wurden. In der Folge ist der Verbrauch rapide gesunken. Statistisch gesehen ist der Anteil der Tüten am Plastikmüllaufkommen inzwischen marginal. Warum also das Verbot, wo doch sowieso fast jeder weiß, dass Jute besser als Plastik ist? Und obwohl die Ministerin selbst sagt, dass es gute Alternativen gibt, die sich mittlerweile durchgesetzt haben?

Das Schulze-Vorhaben ist Teil des großen Öko-Wettbewerbs, den sich die Parteien im Moment liefern. Und er wird möglichst plakativ geführt. Klima- und Umweltschutz haben als Themen Hochkonjunktur, wie auch die vielen Klima-Vorhaben zeigen, die sich die Fraktionen bei ihren Klausuren ausgedacht haben. Da steht die CSU nicht hinten an: Sie will nun den Kauf von energiesparenden Haushaltsgeräten steuerlich fördern, obwohl Verbraucher schon jetzt bei Neuanschaffungen vor allem auf die Energieeffizienzklassen achten.

Konsequent wäre es übrigens, wenn Schulze auch die kleinen Tüten für Obst und Gemüse im Laden verbieten würde. Will sie aber nicht, denn dann müsste sie sich tatsächlich mit dem Handel anlegen, weil der dann mehr umverpacken würde. Dabei gibt es auch für diese Beutel schon gute Alternativen.