Kommentar

Peinlich

Thomas Spang kritisiert, dass US-Präsident Donald Trump bei seiner Asien-Reise hauptsächlich Verwirrung stiftet

 

Die Bilder der prachtvollen Zeremonien, mit denen seine Gastgeber in Asien den bombastischen US-Präsidenten umgarnten, werden genauso schnell vergessen sein wie der sprichwörtliche Lobgesang des philippinischen Diktators auf sein großes Vorbild. Eher in Erinnerungen bleiben dürften Donald Trumps unbeholfene Verrenkungen beim ASEAN-Gruppenbild. Stehen diese doch symbolisch für das strategische Durcheinander, das der "Amerika-über-Alles"-Präsident Amerikas Partnern und Gegenspielern im pazifischen Raum geboten hat. Nicht einmal bei einer wirklich einfachen Grundsatzfrage schaffte es der US-Präsident, für Klarheit zu sorgen. Verstehen sich die USA noch als pazifische Macht, die hinter der Ordnung steht, die sie selber einmal in Asien geschaffen hat? Zur Freude der aufstrebenden Großmacht China antwortet Trump mit einem vieldeutigen "Jein". Statt in Peking die versprochene klare Kante zu zeigen, schmust er sich an den starken Mann der Volksrepublik, Xi Jinping, heran.

Trump watscht einmal mehr die Freunde Amerikas in der Region ab. Sein "Amerika-First"-Gefasel auf dem APEC-Gipfel steht wie ein Ausrufezeichen hinter dem Ausstieg aus der unterschriftsreifen Transpazifischen Partnerschaft TPP. Dass die elf geprellten Staaten beschlossen, TPP auch ohne die USA umzusetzen, machte etwas anderes deutlich. Wie schon nach dem Ausstieg beim Pariser Klimaabkommen oder der Nicht-Zertifizierung des Iran-Abkommens entpuppt sich Trumps "Amerika-über-Alles"-Doktrin als "Amerika-allein"-Realität. Zu Nordkorea fiel Trump bei seinen Auftritten in Japan und Südkorea nichts anderes ein, als die Verantwortung an China zu delegieren. Führung sieht anders aus. Das gilt übrigens auch für das hochpeinliche Kuschen des US-Präsidenten vor Wladimir Putin. Trumps zwölftägige Asien-Reise gibt mehr Rätsel auf, als dass sie strategische Klarheit geschafft hätte.

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