Kommentar

Persönliche Beziehung

Thorsten Langscheid über den Wert der Bäume

Die überraschend großen Schäden in der gerade erst angepflanzten Platanen-Allee der Augustaanlage lenken den Blick auf die Bedeutung unseres Baumbestands. Natürlich wiegt ein mächtiger, hundertjähriger Baum vor allem in ökologischer Hinsicht viele jüngere Pflanzen auf. Ob die Aufregung um die Prachtstraße in der Oststadt deswegen gerechtfertigt ist, fragt sich so mancher. Und stellt dabei in Frage, ob der mit der Sanierung verbundene Kahlschlag in der alten Baumreihe richtig war. Und ob die Neupflanzung fachgerecht ausgeführt wurde.

Die Diskussion zeigt: Es geht um mehr als den einigermaßen objektiv feststellbaren ökonomischen und ökologischen Wert der Bäume. Es geht um unsere persönliche Beziehung zum Baum und auch zu unserer Heimatstadt. „Herzzerreißend“ sei der Sturmschaden in der Augustaanlage, eine „Katastrophe“. So reagierten viele nach dem Sturm.

Der Schutz von Bäumen vor Unwettern ist wohl unmöglich. Vor drohenden Fällungen können – und sollen – Bäume aber sehr wohl geschützt werden. Auch wenn es sachlich klar begründet ist – immer mehr Menschen empfinden das Fällen eines Baumes als herzzerreißend und katastrophal. Das führt oft (Stichworte: „Offizierssiedlung“, „Rheindammsanierung“) zu leidenschaftlichen Protesten. Verständlicherweise: Denn der Zusammenhang zwischen dem Wohl der Bäume und dem Wohlbefinden des Menschen ist wissenschaftlich erwiesen – zu diesem Ergebnis kam gerade kürzlich eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI).