Kommentar

Pflicht vernachlässigt

Archivartikel

Peter W. Ragge zum Zustand städtischer Museumsgebäude

Er persönlich und sein Dezernat können wirklich nichts dafür – aber es wirkte schon irgendwie etwas peinlich. Kulturbürgermeister Michael Grötsch dankte jetzt im Namen der Stadt den Nachkommen eines Mäzens, dass mit seinem Erbe ein Gebäude der Reiss-Engelhorn-Museen saniert werden konnte.

Aber die ganze Geschichte ist: Das Gebäude gehörte lange der Stadt. Sie war es, die jegliche Bauunterhaltung vernachlässigt, ja es über Jahrzehnte hat völlig herunterkommen lassen, bis es einsturzgefährdet war. Und trotz warnendem Hinweis der eigenen Baufachleute, dass der Zustand äußerst mangelhaft ist, wurde das Haus dann (vor Grötschs Amtszeit) einfach der Verantwortung der Reiss-Engelhorn-Museen übertragen – ohne die dazugehörigen Mittel für die Sanierung. Und für diese „Bruchbude“ kassierte die Stadt dann noch über eine Million Euro Kaufpreis, als die Curt-Egelhorn-Stiftung bereit war, einzuspringen und die Sanierung zu übernehmen.

Es war richtig, dass Grötsch jetzt jenen Menschen gedankt hat, die das ermöglichten. Aber der Vorgang wirft ein Schlaglicht darauf, wie die Stadt mit den Reiss-Engelhorn-Museen (und nicht nur mit ihnen) umgehen.

Beim Publikum, als Ausstellungs- und Forschungsstandort erfolgreich und angesehen sind sie nur, weil seit gut 20 Jahren mehrere Stiftungen und Mäzene all das finanzieren. Das ist aber nur die Kür. Für die Pflicht, für den normalen, laufenden Betrieb, für Gebäudeunterhaltung und Sammlungen, ist allein die Stadt zuständig – doch Gemeinderat und Verwaltung nehmen da seit Jahrzehnten Defizite hin.

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