Kommentar

Pflichtlektüre für Politiker

Archivartikel

Stefan Vetter über das aktuelle Herbstgutachten

Fast hatte man sich schon daran gewöhnt, dass die Konjunkturforscher des Landes ihre Wachstumsprognosen nach oben korrigieren. In ihrem aktuellen Gutachten kommen sie erstmals nach längerer Zeit wieder zu einem gegenteiligen Befund. Nun ist das sicher Jammern auf hohem Niveau. Denn auch für 2019 wird immer noch ein Plus erwartet. Gleichwohl zeigt die jüngste Expertise, dass sich der Aufschwung abschwächt und die besonders fetten Konjunkturjahre damit wohl erst einmal vorbei sind.

Auch der Staat hat sich daran gewöhnt, aus dem Vollen zu schöpfen. In der längerfristigen Finanzplanung des Bundes sind Mehrausgaben eingestellt, die noch erwirtschaftet werden müssen. Und bislang sorgten ja auch die Steuerschätzer immer für positive Überraschungen. Auch sie korrigierten sich regelmäßig nach oben – doch so einfach wird das wohl nicht laufen.

Den führenden Wirtschaftsforschern kann man daher nur zustimmen, wenn sie der Bundesregierung empfehlen, das Land zukunftsfest zu machen. Derzeit sind die Kassen prall gefüllt, der Staat erwirtschaftet Überschüsse. Das wird noch eine Weile so bleiben. Mit diesem Geld könnte man eine echte Bildungsoffensive organisieren, die sich in der Zukunft auszahlt. Vor diesem Hintergrund sollte das jüngste Gutachten der Wirtschaftsforscher zur politischen Pflichtlektüre werden.