Kommentar

Pläne am Boden

Archivartikel

Bernhard Zinke über das Chaos rund um Stift Neuburg

Ein heftiger Sturm wirbelt die Welt der Ziegelhausener Mönche gehörig durcheinander. Und es ist kein Unwetter, das sich schnell wieder verzieht. Denn eigentlich schon seit 2016 steht das Stift Neuburg mit seinen gerade elf Brüdern immer wieder in den Schlagzeilen. Zwei Jahre tobte zuerst der juristische Streit um die Verpachtung der Ländereien und der Gaststätte. Jetzt also die Entpflichtung derjenigen, die zweieinhalb Jahre das Sagen in der Abtei hatten. Dabei ist die Entpflichtung eines Abtes eine Seltenheit. Sie zeigt, dass der Abtritt offensichtlich nicht in friedlichem Einvernehmen möglich war. Üblicherweise findet sich in solchen Fällen eine Sprachregelung, die einen Rückzug ohne Gesichtsverlust ermöglicht, etwa gesundheitliche Gründe oder Ähnliches. Dass dies nicht möglich war, zeigt, wie verhärtet die Fronten sind.

Ihre hochfliegenden Pläne, das Kloster als ein Zentrum für Wissenschaft und Kultur sowie als biolandwirtschaftliches Idyll zu etablieren, können die Benediktiner jedenfalls getrost in den Wind schreiben. Jetzt kann es nur darum gehen, zur Ruhe und Besinnlichkeit zurückzufinden. Nur daraus kann sich eine realistische Perspektive für die Zukunft des Klosters entwickeln. Ob es mittelfristig überhaupt bestehen kann, wird vom neuen Abt und dessen Ideen abhängen.