Kommentar

Politische Pleiten

Archivartikel

Stefan Proetel über den Streit in Sachen Trinkertreff

Mit jedem Grad wird in den kommenden Wochen auch der Ärger steigen. Je angenehmer die Temperaturen, umso mehr Obdachlose, Trinker und andere Abhängige werden auf Plätzen in der Stadt wieder deutlich wahrnehmbarer. Es ist nachvollziehbar, wenn sich Anwohner, Passanten oder Einzelhändler aufregen und beschweren. Sie fühlen sich belästigt und um ihre Ruhe gebracht. Ladenbesitzer befürchten, dass weniger Kunden kommen und der Umsatz zurückgeht. Klar ist: Der Paradeplatz spielt in der Thematik zwar die Hauptrolle. Eine Trinkerszene etwa zwischen Kunsthalle, Karl-Friedrich-Gymnasium und Max-Hachenburg-Schule wird aber auch dort Menschen – Bewohner, Lehrer, Schüler, Kunsthallenbesucher – auf die Palme bringen. Zu Recht.

Das alles zeigt: Mannheim braucht eine Anlaufstelle für die Trinker- und Drogenszene, so schnell und unbürokratisch wie möglich. Funktionieren kann das nur, wenn die Stadt (noch einmal) klar aufzeigt, warum sie in der Innenstadt keinen geeigneten Ort gefunden hat. Und: Wenn die Kritiker einer Hilfseinrichtung in der Akademiestraße danach über ihren Schatten springen. Sie sollten dringend einem zeitlich begrenzten Versuch in einem wieder abbaubaren oder danach anderweitig verwendbaren Gebäude zustimmen. Der politische Prozess bisher ist eine Pleite, der Verdruss bei vielen verständlicherweise groß. Bisher gibt es nur Verlierer, die größten sind die Abhängigen selbst: Sie bekommen noch immer keine Hilfe in einem geschützten Raum. Damit muss Schluss sein. Schnellstens.

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