Kommentar

Politischer Schaden

Archivartikel

Die Situation in der Fleischfabrik Tönnies machen in Rumänien fette und ausschließlich negative Schlagzeilen. Viele Medien berichteten, dass der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU) gesagt habe, dass das Virus von rumänischen und bulgarischen Arbeitern nach Deutschland und damit auch in das Unternehmen importiert worden sei. Der Umstand, dass in Deutschland so getan wird, als seien nun die Rumänen an dem massenhaften Ausbruch der Erkrankung schuld und nicht die Lockerung der Maßnahmen im eigenen Land, sorgt für eine Welle der Empörung.

Auch das rumänische Außenministerium monierte, dass Laschets Aussagen, das Image der rumänischen Arbeiter in Deutschland beschädigen könnten. Und es bat die deutsche Botschaft in Bukarest sogar um eine Stellungnahme, um die Aussagen von Laschet klarzustellen. Die rumänische Botschaft in Berlin wiederum schrieb einen offiziellen Brief an Laschet und forderte ihn auf, seine Aussagen zurechtzurücken.

In Bukarest findet man es nicht nur unfair, sondern auch schlichtweg mies, dass rumänische Arbeiter, die ohnehin unter schlechten arbeitsrechtlichen Bedingungen und in ärmlichen Behausungen für die Fleischfabrik arbeiten, nun auch noch zu Sündenböcken gemacht werden, obwohl das Unternehmen, für zu wenig Sicherheitsvorkehrungen sorgte – offenbar auch um Geld zu sparen.

Inhaltliche Kritik gibt es auch am Krisenmanagement und der Zusammenarbeit. Die rumänischen Behörden wissen noch nicht, wie viele Rumänen genau infiziert sind, weil Tönnies der deutschen Polizei zu wenig Daten übermittelte und dies auch noch zu spät, so wird in Bukarest argumentiert. Dadurch sei wertvolle Zeit zum Schutz der Menschen verloren worden.

Das Image der Firma Tönnies ist in Rumänien im Keller. Das Unternehmen wird von Medien als skrupellos und gierig beschrieben. Die rumänischen Arbeiter werden als moderne Sklaven bezeichnet, die schlechter behandelt würden als die deutschen Kollegen und auf deren Rücken, das Unternehmen reich geworden sei. Es wird sogar an einen Arbeitsunfall aus dem Jahr 2019 erinnert, bei dem ein Rumäne vier Finger verlor.

Deshalb wird es wohl künftig – jenseits der Covid-19-Situation – schwierig werden, wenn der Konzern Arbeiter aus dem osteuropäischen Land anwerben will. Viel schlimmer ist aber der politische Schaden: Ohne Laschets Aussagen hätte Deutschland seinen Ruf als fairer Partner in Europa halten können. Nun hat es den Ruf, in der Panik schäbig zu reagieren.

 
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