Kommentar

Positiver Fehlschlag

Archivartikel

Thorsten Langscheid über das Ende des Primove-Versuchs

Aus Misserfolgen kann man lernen – diese Lebensweisheit hat man sich bei den Verkehrsbetrieben zu eigen gemacht und resümiert den nun offiziell beendeten Primove-Versuch wie folgt: „Wir haben erkannt, wo die Vorzüge und wo die Grenzen der Technologie liegen.“

Aber was lernte man denn nun aus der in Mannheim mit entwickelten Technik? Dass man mit dem Einsatz der beiden Busse auf der „extremen“ Linie 63 bewusst an die Grenzen des betrieblich Möglichen gegangen ist, trägt wesentlich zum Scheitern des Systems bei. Auf der gut fünf Kilometer langen Strecke sollten sechs von zwölf Haltestellen zum Nachladen genutzt werden. In der Praxis klappte das aber nur an der Endhaltestelle Hauptbahnhof für wenige Minuten – so eng war der Fahrplan getaktet. Lerneffekt Nummer 1: längere Ladezeiten einplanen.

Hinzu kamen beispielsweise zu kleine Akkus, die dem Bus eine Reichweite von kaum mehr als 30 Kilometern ermöglichten. Für einen stabilen Stadtbetrieb bräuchte ein E-Bus aber etwa die zehnfache Reichweite – ein Ziel, dass auch für die Nachladung kabelgebundene Fahrzeuge bei weitem noch nicht erreichen. Lerneffekt Nummer 2: größere Akkus einbauen.

Dass der Hersteller trotz hoher staatlicher Zuschüsse die Innovationsidee nicht in ein marktgängiges Produkt überführen konnte, mag viele Ursachen haben. Eine davon könnte sein, dass sich die Induktionstechnik in Anwendungen für private Nutzer möglicherweise besser verkauft hätte. Lerneffekt Nummer 3: Wer Zahnbürste und Handy kabellos lädt, gibt vielleicht auch Geld aus, um sein E-Auto ohne Gefummel mit dem Kabel über Nacht in der Garage aufzuladen.

Was mit den teuren Bussen, die nun nutzlos im Depot stehen, geschehen soll, ist unklar. Denn wegen der fest verbauten Ladetechnik, ohne die sie nach kurzer Fahrt liegenbleiben, kann man die Fahrzeuge nicht einfach woanders einsetzen. Immerhin zeigt das Beispiel Braunschweig, dass die Induktionsbusse, richtig eingesetzt, durchaus über Jahre im Alltag betrieben werden können. Somit muss man den Mannheimer Versuch leider als Misserfolg werten. Wenn auch der Lerneffekte wegen wenigstens als positiven Fehlschlag.

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