Kommentar

Prinzip Hoffnung

Archivartikel

Stefan Vetter zur Prognose der Bundesregierung

Um mehr als sechs Prozent könnte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen. So rasant abwärts ging es hierzulande noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch selbst diese Annahme klingt noch einigermaßen optimistisch, wenn man bedenkt, dass dabei auch das Virus mitspielen muss – dass es nicht wie von vielen Experten befürchtet zu einer zweiten Pandemie-Welle kommt.

Dabei ist die Situation auch so schon schlimm genug. Denn viele Unternehmen haben sich wegen des staatlich erzwungenen Stillstands massiv verschuldet. Nur so konnten sie auch einer raschen Insolvenz entgehen. Diese Kredite müssen jedoch abbezahlt werden.

Dadurch fehlt dann womöglich das nötige Geld für Neueinstellungen und Investitionen. In den meisten Betrieben herrscht jedenfalls eine tiefe Verunsicherung. Vielerorts ist daraus sogar schon Verzweiflung geworden. Und die ist erst recht Gift, denn Wirtschaft besteht, wie man ja weiß, zu rund 50 Prozent aus Psychologie.

Die aktuelle Prognose der Bundesregierung setzt derweil ganz auf das Prinzip Hoffnung. Wohl auch, weil sich die Verantwortlichen durch ihre eilends geschnürten Milliarden-Hilfspakete darin ermutigt fühlen. Prognosen waren gewissermaßen schon immer ungedeckte Schecks auf die Zukunft. Angesichts der vielen Unwägbarkeiten durch die Corona-Pandemie gilt das nun erst recht.

 
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