Kommentar

Österreich II Hier die Sorge um die Gesundheit von Schutzbefohlenen, dort die Skepsis gegenüber einem alles regulierenden Staat

Pro & Kontra: Soll das Rauchen mit Kind an Bord verboten sein?

Archivartikel

 

Aus öffentlichen Gebäuden wurden Zigaretten bereits verbannt, private Bereiche aber waren bislang ausgenommen. Ist das richtig so?

Kontra

Die persönliche Freiheit endet da, wo die Rechte anderer eingeschränkt werden. Und wer in Gegenwart von Kindern raucht, riskiert deren Gesundheit, im engen Auto in besonderem Maße. Wenn Erwachsene das nicht einsehen und nicht in der Lage sind, verantwortungsbewusst zu handeln, sind Verbote und Strafen leider unumgänglich. Zum Schutz der Kinder. Das ist bei krebserregendem Qualm nicht anders als bei Schlägen. Zum Glück ist es keinem Erwachsenen selbst überlassen, ob er sein Kind schädigt. Denn das ist keine Privatsache.

An vielen öffentlichen Orten ist das Rauchen inzwischen zu Recht verboten. Warum aber sollten gerade die Kleinen, die durch Tabakrauch besonders gefährdet sind, nur im öffentlichen Raum geschützt sein, nicht im privaten? Das ergibt keinen Sinn. Naheliegender wäre es, das Rauchen in Gegenwart von Kindern ganz zu verbieten. (Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Klauß)

Pro

Ganz klar: Wer mit Kindern im Auto raucht, handelt absolut verantwortungslos. Aber es schadet ihnen nicht minder, wenn sie daheim vollgequalmt werden. Konsequenterweise müsste man auch das verbieten. Und was ist mit Eltern, die ihren Kleinen nur ungesundes Essen und flüssige Kalorienbomben vorsetzen? Letztlich geht es hier um eine Grundsatzfrage: Soll der Staat alles Schädliche untersagen und sogar den innerfamiliären Bereich reglementieren? Oder, besser, gesteht man zu, dass zur persönlichen Freiheit auch individuelle Dummheit gehört?

Jetzt bitte nicht mit Anschnallpflicht und Handyverbot kommen! Indem er die Gefahr und die Schwere von Unfällen verringert, sorgt der Staat für Sicherheit im öffentlichen Raum. Dort sind auch Rauchverbote sinnvoll. Die in Kneipen bläst Österreich übrigens wieder ab. Das ist ein verheerendes Signal – und viel gewichtiger als Verbote in Privatautos. (Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Mack)