Kommentar

Profit schlägt Bildung

Die Bildung hat verloren – die Schließungen von zwei der drei Schulbuchhäusern in Mannheim macht Pädagogen zu schaffen. Das zeigt eine, wenn auch nicht repräsentative Befragung von Lehrern durch den Landesphilologenverband. Neben ihnen sind aber auch Schüler Verlierer, die den Unterricht mit Materialien der Verlage schließlich vorgesetzt bekommen.

Gerade für junge, unerfahrene Lehrer sind Filialen eine Anlaufstelle, um sich über Materialien beraten zu lassen – oder diese kurzfristig zu besorgen, um guten Unterricht zu gestalten. Vor allem die Begründung der Westermann-Gruppe, ihre Filialen in Stuttgart, Mannheim und Frankfurt hätten sich gegenseitig Kunden weggenommen, ist fadenscheinig. Der Aufwand, aus der Region nach Frankfurt oder Stuttgart zu fahren, steht in keinem Verhältnis zum Ertrag und ist auf Dauer nicht zumutbar.

Das Material online zu bestellen, ist zwar ein Weg – in diesem Fall aber der schlechtere. Denn anders als in der Belletristik reicht bei Schulbüchern der Blick, der online ins Inhaltsverzeichnis oder auf den Klappentext angeboten wird, oft eben nicht aus, um ansatzweise über die Qualität des Buchs zu urteilen. Kenntnisse über die Aufbereitung der Übungen lassen sich nur beim Blättern durch das Buch erwerben.

In diesem Fall hat der Profit, der durch die Schließungen befriedigt wird, den Bildungsauftrag der Verlage geschlagen. Verlierer sind Lehrer – und Schüler.

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