Kommentar

Putin freut sich

Archivartikel

Ulrich Köhler zum inszenierten Mord am Kreml kritischen Journalisten Babtschenko: Die Ukraine hat sich disqualifiziert

Wie Wladimir Putin in seinem stillen Kreml-Kämmerlein auf die Nachricht vom inszenierten Journalistenmord in der Ukraine reagiert hat, ist nicht überliefert. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass der ehemalige Geheimdienstchef und aktuelle russische Präsident herzlich gelacht haben könnte. Denn während sich der ukrainische Präsident Petro Poroschenko noch über die „glänzende Spezialoperation“ im Fall des wiederauferstandenen Arkadi Babtschenko freute, war Putin wahrscheinlich längst klar, dass die Ukrainer in diesem grotesken Verwirrspiel als Verlierer vom Platz gehen würden. Der Kremlchef dagegen profitiert gleich in mehrfacher Hinsicht von der Entwicklung.

Da ist zunächst das Misstrauen, das der ukrainische Geheimdienst mit seiner unwürdigen Aktion vor allem in der EU gesät hat. Kiew hätte gar nicht anschaulicher demonstrieren können, dass man westliche Werte und demokratische Prinzipien nicht verstanden hat. Der Zweck heiligt, wenn es um Menschen und ihre Würde geht, eben nicht die Mittel. Die ukrainischen Behörden haben aber nicht nur die Bürger ihres Landes und ausländische Beobachter belogen. Sie haben auch Babtschenkos Familie, seinen Freunden und Kollegen psychisches Leid zugefügt. Auf der Habenseite stehen dagegen nur einige Verhaftungen. Der Anschlagsplan hätte ohne weiteres auch anders verhindert werden können.

Die Ukrainer haben im Fall Babtschenko vor allem bewiesen, dass nicht nur Putin „grüne Männchen“ auf die Krim entsendet, die sich später als russische Soldaten entpuppen. Sie selbst agieren nicht anders. Und genau das macht die Ukraine, die angesichts von Korruption und Oligarchen-Wirtschaft ohnehin nicht den besten Ruf im Westen genießt, auf absehbare Zeit zu einem mindestens fragwürdigen Partner. Die Annäherung an die EU wird zwar kaum am Fall Babtschenko scheitern. Aber die Reaktionen in Berlin, Brüssel und Paris zeigen, dass man dort erkannt hat, wie die Herrschenden in Kiew ticken: kaum anders als Putin selbst.

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