Kommentar

Putins Triumph

Archivartikel

Walter Serif über die Entwicklung in Syrien: Der Kremlchef sorgt dafür, dass am Ende nur Russland wunschlos glücklich ist

Kremlchef Wladimir Putin ist am Ziel: Russland hat die Gunst der Stunde genutzt und seine Ansprüche als einzige Ordnungsmacht in Syrien durchgesetzt. Bedanken dafür kann sich Putin beim Amtskollegen im Weißen Haus. Donald Trump hat mit dem Abzug der US-Truppen eine historisch falsche Entscheidung getroffen, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Die USA spielen im Nahen Osten keine Rolle mehr. Und Trumps Verrat an den Kurden wird darüber hinaus Folgen haben. Jeder weiß jetzt: Auf die USA ist kein Verlass mehr.

Das heißt nicht, dass Russland alle seine Partner glücklich macht. Für Putin zählen die eigenen Interessen, zur Not bekommt jeder seiner Verbündeten nur etwas, damit Russland alles kriegen kann. Sie müssen nach dem Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Putin in Sotschi Kröten schlucken.

Putin hat durchgesetzt, dass Erdogan jetzt seinen früheren Todfeind Baschar al-Assad als alleinigen Herrscher in Syrien anerkennt. Ein hoher Preis. Erdogans Offensive in Syrien hat aber auch Assads Position als Kriegsherr gestärkt. Denn nach dem Hilferuf der YPG-Milizen sind syrische Truppen ins Kurdengebiet einmarschiert. Unwahrscheinlich, dass sie es wieder verlassen werden. Ein Triumph für Assad. Er hat, ohne eine Patrone zu vergeuden, sein Territorium vergrößert und kann sich auf die Eroberung der letzten Rebellengebiete konzentrieren.

Deshalb muss Assad nicht groß jammern, weil türkische Soldaten im Grenzgebiet patrouillieren. Das gefällt natürlich auch dem Iran nicht, doch der tröstet sich damit, dass immerhin der„Erzfeind“ USA abgezogen ist.

Erdogans Bilanz fällt da schon zwiespältiger aus. Er darf jetzt zwar die der PKK nahestehenden kurdischen YPG-Milizen von seiner Grenze fernhalten. Und sich auch darüber freuen, dass der Traum der Kurden von einem Teilstaat oder einer dauerhaften Autonomie in Syrien ausgeträumt ist. Aber die Sicherheitszone, die Erdogan unbedingt einrichten wollte, ist nun viel kleiner als ursprünglich geplant. Und klar ist auch, dass dort keine zwei Millionen syrische Flüchtlinge aus der Türkei angesiedelt werden. Erdogan hat den Mund also sehr weit aufgerissen.

Restlos zufrieden darf also nur Russland sein. Machiavelli hätte an Putin wahrlich seine Freude gehabt. Der Kremlchef kann es sich deshalb auch leisten, die bizarre Schutzzonen-Idee der deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nur verhalten kritisieren zu lassen. Warum mit einem Veto im Weltsicherheitsrat drohen, wenn der Plan ohnehin nie in Kraft treten wird? Weil die SPD nicht mitspielt. Und weil die Nato-Mitglieder selbst nach Erteilung eines UN-Mandats keine Lust darauf hätten, Soldaten nach Syrien zu schicken, um dort ein Gebiet abzusichern, das künftig Assad gehören wird.

Wer ernsthaft darüber nachdenkt, Truppen ins Pulverfass Syrien zu schicken, beweist, dass er von der strategischen Lage dort keine Ahnung hat. Und kein Politiker mit Weitsicht hätte einen Plan in die Welt gesetzt, ohne vorher abzuwarten, was Erdogan und Putin in Sotschi ausbaldowern würden. Die Zwei haben (mit Assad) Syrien unter sich aufgeteilt. Das ist Fakt. Dass AKK trotzdem keine Ruhe gibt, ist unglaublich. Sie macht sich – und damit auch Deutschland – nur lächerlich.