Kommentar

Querelen mit Ansage

Marc Stevermüer zur Situation bei Hertha BSC

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich Menschen über die Konsequenzen ihres eigenen Handelns wundern. Fußball-Bundesligist Hertha BSC holte sich mit Lars Windhorst einen Investor ins Haus, der bis zum Ende dieses Monats etwa 374 Millionen Euro in den Club gepumpt haben wird und sich 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA sicherte. Und das machte er nicht nur aus unendlicher Liebe zur „Alten Dame“. Wer das glaubt, ist entweder ein hemmungsloser Romantiker oder gnadenlos naiv. Oder beides.

Gewiss: Windhorst ist vermutlich kein windiger Scheich, der erstmal in Öl, dann in Flugzeuge und zwischendurch in einen Fußballclub investiert. Hertha wird für ihn eine Art Leidenschaft sein, aber eben auch ein Investment. Nicht mehr, nicht weniger. Er will mitreden, mitbestimmen, mitentscheiden – wenn nicht selbst, dann durch eine Person seines Vertrauens. Und das ist nun mal Jens Lehmann, der als Vertreter des Geldgebers im Aufsichtsrat des Clubs sitzt und dessen Stimme allein schon wegen der vielen Millionen des Investors Gewicht hat.

Erst Klinsmann, dann Lehmann

Ob es nach dem Fiasko mit dem – nennen wir es einmal positiv – eigenwilligen Jürgen Klinsmann von Windhorst besonders clever war, sich mit dem polarisierenden Lehmann einen bisweilen schwierigen Exzentriker und streitlustigen Querdenker ins Haus zu holen, sei einmal dahingestellt. Wahrscheinlich eher nicht, weshalb sich die Frage stellt, warum der Geldgeber nicht aus seinem kolossalen Fehler lernte. Die jetzigen Querelen kommen zumindest nicht sonderlich überraschend, sondern mit Ansage.

Doch dass die Berliner angesichts ihrer finanziellen Möglichkeiten und der entsprechenden Transferausgaben zum Erfolg in dieser Bundesliga-Saison verdammt sind, darüber kann es nun wirklich keine zwei Meinungen geben. Lehmann hat sie lediglich öffentlich ausgesprochen. Das mag strategisch falsch gewesen sein, inhaltlich aber ganz gewiss nicht.

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