Kommentar

Quittung bekommen

Archivartikel

Nicht einmal sieben von zehn Lehrlingen in Deutschland sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Die Zahlen, die der Deutsche Gewerkschaftsbund am Donnerstag veröffentlichte, haben gesessen. Sie müssen nachdenklich machen. Aufrütteln. Vor allem zwei Zahlen stechen aus dem historisch negativen Report hervor: Nur 54 Prozent der Lehrlinge sind der Meinung, dass sie gezielt vorbereitet worden sind, im Beruf digitale Technologien zu nutzen. Schlimmer: Die digitale Ausbildung an Berufsschulen bewertet jeder Dritte als „ausreichend“ oder gar als „mangelhaft“.

Der Staat bekommt die Quittung für seine jahrzehntelange Schlafmützigkeit. Neben der Tatsache, dass der Ausbau des schnellen Internets im internationalen Vergleich weit hinterherhinkt, macht sich bemerkbar, dass es an einer wettbewerbsfähigen digitalen Schulausbildung mangelt.

Diese können Lehrer, die auf das Interpretieren von Gedichten oder dem Beibringen von Vokabeln spezialisiert sind, nicht leisten. Ihnen eine Mitverantwortung an dem Desaster zu geben, wäre nicht gerecht. Es fehlen offensichtlich Lehrer, die Jugendliche digital schulen. Dass die Ausbildung dieser Pädagogen Jahre dauern wird, verschärft die Situation – denn wir können es uns nicht leisten, mehr Zeit zu verlieren. Eine Generation hat bereits Alarm geschlagen. Eine weitere wäre fatal.

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