Kommentar

Quotenfrauen?

Detlef Drewes ist der Meinung, dass an Regeln für die Gleichstellung von Mann und Frau kein Weg vorbei führt – aber das Umdenken am wichtigsten ist

Deutschland wird seit Jahren von einer Frau regiert, die Europäische Kommission demnächst auch. Österreich und Belgien griffen zumindest als Ersatz zwischen zwei amtierenden Regierungen auf Politikerinnen zurück.

Aber, das ist nicht die ganze Wirklichkeit in Europa, die die Studie des Rates der Gemeinden und Regionen jetzt vorgelegt hat. Seit fast 40 Jahren wird über eine feste Frauenquote gestritten. Die CSU-Führung geriet mit der Forderung nach einer Einführung einer festen Quote auf Kreisverbandsebene eben erst ins Straucheln. Die Gegenargumente haben vier Jahrzehnte überdauert: Es geht auch ohne Quote. Und: Wir haben nicht genügend Frauen. Das ist ein ärmlicher Einwand, weil er lediglich beweist, dass die politische Teilnahme nach wie vor Männersache ist. Die Autoren leiten daraus die Forderung nach mehr Qualifizierung von Frauen für das politische Tagesgeschäft und Führungspositionen auf allen Ebenen ab. Das ist Unsinn: Als ob alle Männer in Parlamenten und Top-Jobs je dafür qualifiziert wurden. Tatsächlich müsste Gleichstellung in politischer Verantwortung so selbstverständlich sein, dass es keiner Quote mehr bedarf. So lange das aber offensichtlich nicht der Fall ist, geht an festen Regeln für die Beteiligung von Politikerinnen kein Weg vorbei.

Dass viele Frauen sich auch deshalb nur begrenzt politisch betätigen können, weil sie die Hauptlast für Kinder und Familie tragen, stimmt leider immer noch.

Doch es gibt genügend Beispiele für Politikerinnen, die trotzdem ihren Weg gehen, der ihnen genügend Freiräume für politische Arbeit gibt. Zumal die europäischen Staaten durch vielfältige sozialpolitische Maßnahmen Angebote für eine gemeinsame elterliche Verantwortung oder andere Formen von Kinderbetreuung geschaffen haben. Daran liegt es nicht mehr.

Viel gravierender sind dagegen die Spielregeln bei Kandidatenprozeduren und für die Zusammensetzung von Gremien. Hier werden Frauen häufiger benachteiligt, haben es schwerer, als Delegierte auserkoren, nominiert und gewählt zu werden. Was im Übrigen nicht selten auch daran liegt, dass Änderungen dieser Mechanismen von denen attackiert werden, die sie erfunden haben: von Männern. Und die dann auch noch jene Frauen, die über die Quote ein Mandat bekommen haben, hämisch zur Quotenfrau abstempeln. Die Quote ist ein Hilfsmittel, aber das Umdenken muss noch sehr viel weiter gehen und alltäglicher werden.

 
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