Kommentar

Radikaler Nationalstar

Archivartikel

Agnes Tandler über die Wahl in Pakistan: Der künftige Premierminister Imran Khan hat sich von einem Liberalen zu einem harten Hund gewandelt

Für Imran Khan erfüllt sich nach 22 Jahren endlich sein Lebenstraum, Premierminister von Pakistan zu werden. Der Ex-Kricketspieler war für seine politischen Ambitionen lange Zeit nur müde belächelt worden. Nun ist der ehemalige Jet-Setter, der mit britischem Akzent spricht, in Oxford studierte und mit der britischen Oberklasse Parties feierte, kurz davor, Regierungschef der islamischen Republik zu werden, in der 90 Prozent der Bevölkerung bettelarm sind und Terror zum Alltag gehört.

Khan verspricht seinen Anhängern ein neues Pakistan, doch wenig wird daran neu sein. Denn bevor Khan Pakistan verändern kann, hat Pakistan Khan verändert. Der frühere Lebemann hat sich von seinen liberalen Ansichten radikal verabschiedet. Vor zehn Jahren noch kämpfte er gegen Pakistans mächtiges Militär, Korruption und die Drohnenschläge der USA. Nun fährt Khan einen knallharten, gefährlichen Populismus, der vor nichts Halt zu machen scheint. Seine Nähe zum radikalen Islam haben ihm den Spitznamen „Taliban Khan“ eingetragen. Im Wahlkampf hielt er Pakistans drakonische Blasphemie-Gesetze hoch, die im Falle von Gotteslästerung und Prophetenbeleidigung die Todesstrafe vorsehen.

Auch machte er Front gegen religiöse Minderheiten, namentlich die Ahmadis und Schiiten, denen er absprach, echte Muslime zu sein. Weniger offen trägt Khan seine neue Nähe zu Pakistans mächtiger Armee zur Schau, doch es gibt kaum Zweifel daran, dass die Führung sich lieber den politisch weniger erfahrenen Khan wünscht als Gegenspieler Nawaz Sharif, der bereits dreimal Premierminister des Landes war. Das Militär, das seine Fäden in Pakistan seit einigen Jahren gern im Hintergrund zieht, möchte politische Macht ohne die Verantwortung genießen.

Gern tauchten die Armeechefs auf, wenn es darum ging, in Zeiten der Not den gütigen Landesvater zu spielen, bei Wirtschaftskrisen und politischen Debakeln ist jedoch stets die zivile Regierung Schuld an der Misere. Für Khan schwierige Startbedingungen.

 
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