Kommentar

Rat, der Leben rettet

Archivartikel

Es passiert hinter verschlossenen Türen, in den eigenen vier Wänden. Noch immer werden viel zu viele Frauen in Mannheim, aber auch im Rhein-Neckar-Kreis von ihrem Partner gedemütigt, geschlagen oder angegriffen. Oft zeigen die Betroffenen aber die Täter nicht an – weil sie sich schämen. Gegenüber der Familie, den eigenen Kindern, aber auch vor der Gesellschaft.

Warum habe ich diesen Mann geheiratet, wie konnte ich mich nur so täuschen? Das sind oft Fragen, die sich die Betroffenen vorwerfen. Gerade deshalb sind Beratungsstellen wie das Mannheimer Fraueninformationszentrum so wichtig: Sie sind neutrale Ansprechpartnerinnen, Vertraute, die nicht verurteilen, sondern ermutigen. Sie bieten Antworten auf die Selbstzweifel und die Angst, die diese Frauen quälen: sich nicht als Opfer zu sehen, sondern sich zu wehren – und dabei nicht allein kämpfen zu müssen. Der Rat der Expertinnen ist einer, der Leben retten kann, wenn er denn verfügbar ist. Seit Jahren fordern Frauenhäuser, Beratungsstellen und Verbände mehr Personal, ohne Erfolg. Durchschnittlich steht in Baden-Württemberg laut Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe 1764 Gewalttaten eine Beratungsstelle gegenüber. In neun Landkreisen gibt es keine Beratungsstelle, der Rhein-Neckar-Kreis ist einer davon. Damit ist Baden-Württemberg trauriges Schlusslicht, was die Förderung dieser Stellen betrifft.

Und das rächt sich jetzt: In Zeiten der Corona-Krise und möglicher Ausgangssperren gibt es für gewaltbetroffene Frauen kaum einen Ausweg, ihrem prügelnden Partner zu entkommen – sie sind zu Hause gefangen.

Deshalb muss das Land Baden-Württemberg nun schnell handeln und darf bei den millionenschweren Hilfspaketen nicht die Frauen vergessen, für die ein Rat vor Ort oder ein Platz im Frauenhaus lebenswichtig ist.

Zum Thema